WEBVTT

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00:00:06.500 --> 00:00:09.699
Also, heute ist der 14. November 2005 

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00:00:09.700 --> 00:00:13.166
und wir sind zu Besuch bei Herrn Emil Burian in Babylon.

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00:00:13.167 --> 00:00:17.932
Und wir werden vor allem über die Zeit Ihrer Inhaftierung während des Zweiten Weltkriegs sprechen. 

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00:00:17.933 --> 00:00:22.866
Ich möchte sie am Anfang gern nach Ihrer Kindheit und Ihrer Jugend fragen. 

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00:00:22.867 --> 00:00:26.666
Ich möchte Sie fragen, woher Sie stammen. 

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00:00:26.667 --> 00:00:34.699
Ich stamme aus der Kleinen Haná (Hanna), aus dem kleinen Dörfchen Popovice bei Rajhrad (Groß Raigern).

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00:00:34.700 --> 00:00:41.166
Auch wenn ich in einer Geburtsklinik in Brünn geboren bin,

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00:00:41.167 --> 00:00:45.432
bekenne ich mich stets zu meinem Dorf. 

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00:00:45.433 --> 00:00:49.066
Wir waren viele. 

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00:00:49.067 --> 00:00:56.499
Ich glaube, sechs Geschwister sind gestorben, wir drei blieben übrig:

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00:00:56.500 --> 00:01:01.499
Der Älteste, mein Bruder Josef,

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00:01:01.500 --> 00:01:11.132
meine im Jahre 15 geborene Schwester und ich, der Letzte, Jüngste. 

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00:01:11.133 --> 00:01:17.032
Als ich vier Jahre alt war, starb meine Mama. 

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00:01:17.033 --> 00:01:22.532
Einige Zeit kümmerte sich meine Oma um mich. 

15
00:01:22.533 --> 00:01:31.299
Dann brachte mein Vater von irgendwoher eine Frau mit. 

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00:01:31.300 --> 00:01:37.766
Meine Oma ging zu ihrer Tochter nach Jugoslawien.

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00:01:37.767 --> 00:01:47.699
Und wir verließen, einer nach dem anderen, das Elternhaus. 

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00:01:47.700 --> 00:01:53.699
Unsere Stiefmutter war grausam und verjagte uns. 

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00:01:53.700 --> 00:01:56.132
IV: Was war Ihr weiteres Schicksal? 

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00:01:56.133 --> 00:01:59.832
Sie kamen ins Altershei.. ins Heim, ins Kinderheim,  

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00:01:59.833 --> 00:02:05.232
hatten Sie die Möglichkeit, ein Handwerk zu erlernen? 

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00:02:05.233 --> 00:02:10.966
EB:  Als ich die Schule abgeschlossen hatte, gab mir die Mutter ein Bündel. 

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00:02:10.967 --> 00:02:15.966
Darin waren Hosen und eine Scheibe Brot. 

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00:02:15.967 --> 00:02:26.066
Und ihre Schwester Leokadi nahm einfach eine Türangel und vertrieb mich aus dem Elternhaus. 

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00:02:26.067 --> 00:02:30.699
Wohin sollte ich gehen? 

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00:02:30.700 --> 00:02:36.399
Ich, ein junger, unerfahrener Bursche, machte mich auf nach Brünn. 

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00:02:36.400 --> 00:02:43.432
Brünn, auch wenn es nur 12, 13 Kilometer entfernt ist, 

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00:02:43.433 --> 00:02:51.832
war ich müde, und auf dem Spielberg im Park setzte ich mich auf eine Bank und schlief ein. 

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00:02:51.833 --> 00:02:56.266
Und als ich aufwachte, hatte ich weder das Bündel  

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00:02:56.267 --> 00:02:59.399
noch die Hosen noch das Brot.

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00:02:59.400 --> 00:03:06.566
Ich bin da natürlich herumgeirrt und habe gesucht, 

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00:03:06.567 --> 00:03:10.299
bis endlich ein Polizist kam. 

33
00:03:10.300 --> 00:03:18.299
Er fragte mich, was passiert sei und führte mich zu irgendeinem Hirten (Pfarrer).

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00:03:18.300 --> 00:03:23.599
Das war so ein Auffanghaus. 

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00:03:23.600 --> 00:03:35.599
Von dort aus hat man mich nach..., zu Kornas gebracht, der Gärtnerei gegenüber dem Hauptfriedhof. 

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00:03:35.600 --> 00:03:38.799
Herr Kornas – das waren Juden. 

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00:03:38.800 --> 00:03:44.632
Frau und Herr Kornas waren sehr nett und lieb. 

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00:03:44.633 --> 00:03:51.699
Dafür war Ihr Sohn war ein verbohrter Nazi.

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00:03:51.700 --> 00:03:56.099
Er reiste viel nach Deutschland, nach Österreich 

40
00:03:56.100 --> 00:04:00.399
und sprach natürlich von nichts anderem,

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00:04:00.400 --> 00:04:06.699
als von Hitler, und besonders wenn wir Maiskolben schälten

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00:04:06.700 --> 00:04:11.799
tauchte er einfach auf,

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00:04:11.800 --> 00:04:21.266
und wir hörten von nichts anderem als vom schönen, außergewöhnlichen Deutschland.

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00:04:21.267 --> 00:04:31.399
Also, mir gefiel dieses Gerede nicht und ich ging fort. 

45
00:04:31.400 --> 00:04:39.832
Ich suchte dann eine Anstellung mit kompletter Versorgung.

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00:04:39.833 --> 00:04:48.499
In Čerčany bei Prag wurde ich endlich fündig. 

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00:04:48.500 --> 00:04:59.366
Ein Herr Mesner nahm mich auf wie seinen eigenen Sohn. 

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00:04:59.367 --> 00:05:11.666
Als meine Gastgeber dann allerdings meiner Familie schrieben, verlangte mein Vormund, der Bruder meines Vaters, 

49
00:05:11.667 --> 00:05:17.566
ein Lokomotivführer, Emil Burian aus Holasice,

50
00:05:17.567 --> 00:05:22.799
ganz schlicht, mich augenblicklich nach Hause zu schicken,  

51
00:05:22.800 --> 00:05:27.099
da ich zu Hause in die Lehre gehen könne. 

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00:05:27.100 --> 00:05:35.166
Und so wurde ich tatsächlich weggeschickt aus Prag, 

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00:05:35.167 --> 00:05:43.999
wohin ich von Herrn Mesner aus gelangt bin

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00:05:44.000 --> 00:05:50.932
und abends da ein Nachtquartier suchte.

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00:05:50.933 --> 00:05:56.632
Ich bin selbstverständlich aufgehalten und nach Hause geschickt worden.

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00:05:56.633 --> 00:06:06.632
Als ich daheim in die Amtsstube des Herrn Bürgermeisters kam, 

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00:06:06.633 --> 00:06:14.166
wartete ich auf meinen Onkel Emil, meinen Vormund. 

58
00:06:14.167 --> 00:06:20.866
Und er kam und das erste, was folgte, waren Schläge. 

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00:06:20.867 --> 00:06:26.932
Ich riss mich von ihm los und entkam. 

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00:06:26.933 --> 00:06:35.566
Ich schlief in einem Schober und dann gelangte ich ins Kloster in Groß Raigern. 

61
00:06:35.567 --> 00:06:49.366
Unsere Gemeinde stand einst vor geraumer Zeit unter der Herrschaft des Benediktinerklosters in Groß Raigern. 

62
00:06:49.367 --> 00:06:57.032
Dort traf ich einen äh Priester, Philosophen, Professor Vojtěch Horák,  

63
00:06:57.033 --> 00:07:00.899
meinen ehemaligen Lehrer. 

64
00:07:00.900 --> 00:07:09.466
Heulend habe ich ihm von meinem Schicksal berichtet und er sagte mir: 

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00:07:09.467 --> 00:07:16.399
„Ich weiß sehr gut, mein Sohn, wie es bei euch aussieht.“ 

66
00:07:16.400 --> 00:07:25.266
Er wusste es. Mein Bruder musste fortgehen und dabei war er ein ausgezeichneter Schüler. 

67
00:07:25.267 --> 00:07:28.932
Er bekam eine Studienempfehlung. 

68
00:07:28.933 --> 00:07:35.299
Meine Schwester war eine ausgezeichnete Schülerin, sie erhielt eine Studienempfehlung. 

69
00:07:35.300 --> 00:07:38.899
Es kam nicht dazu. 

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00:07:38.900 --> 00:07:47.632
Mein Bruder ging bei Vančura in die Lehre, bei einem Bekannten, 

71
00:07:47.633 --> 00:07:57.099
einfach bei einem Handwerker, äh... Matratzen, nicht?  Und so weiter.

72
00:07:57.100 --> 00:08:06.399
Der erkannte in dem Jungen einen begabten Burschen und schickte ihn studieren. 

73
00:08:06.400 --> 00:08:17.666
Und so wurde mein Bruder später Staatsbeamter im Kataster- und Vermessungsamt in Brünn.

74
00:08:17.667 --> 00:08:27.666
Meine Schwester musste sofort weggehen, etwa ein Jahr vor dem Ende des Schuljahres. 

75
00:08:27.667 --> 00:08:37.399
Sie wohnte bei unserer Tante, einer Cousine unserer Mutter in Holaně.. Holasice. 

76
00:08:37.400 --> 00:08:43.066
Von dort aus kam sie dann als Dienstmädchen zu jüdischen Familien. 

77
00:08:43.067 --> 00:08:55.166
Später war sie in Předklášteří (Vorkloster) bei Tišnov (Tischnowitz) im Krankenhaus und am Ende in Znojmo (Znaim) im Krankenhaus. 

78
00:08:55.167 --> 00:09:01.899
Pater Vojtěch kannte diese Situation also. 

79
00:09:01.900 --> 00:09:11.232
Er gab mir einen Zwanziger und sagte mir, ich solle frühstücken gehen. 

80
00:09:11.233 --> 00:09:15.166
Na ja, sie wissen schon, sie gaben da irgendeine Suppe aus. 

81
00:09:15.167 --> 00:09:20.299
Ich aß sie und dann begab ich mich auf Wanderschaft. 

82
00:09:20.300 --> 00:09:24.899
Ich wanderte in die Slowakei,

83
00:09:24.900 --> 00:09:39.066
es war einfach eine schwierige Angelegenheit, irgendeine Lehrstelle mit kompletter Versorgung zu bekommen.

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00:09:39.067 --> 00:09:53.966
Am Ende habe ich versucht, bei Galanta die Grenze nach Ungarn zu überqueren, in der Absicht, 

85
00:09:53.967 --> 00:09:59.332
zu meiner Tante nach Jugoslawien zu gelangen. 

86
00:09:59.333 --> 00:10:08.199
Aber in Galanta, wo mich Slowakisch sprechende Ungarn übernachten ließen, 

87
00:10:08.200 --> 00:07:38.899
wurde ich am Morgen von Gendarmen überrascht, die Hüte mit Federn trugen.

88
00:07:38.900 --> 00:10:21.599
Selbstverständlich habe ich zunächst eine Tracht Prügel bekommen 

89
00:10:21.600 --> 00:10:25.799
und dann haben sie mich nach Komárno (Komorn) verschleppt. 

90
00:10:25.800 --> 00:10:35.599
In Komárno hat mich dann... äh... ein ungarisches Militärgericht abgeurteilt. 

91
00:10:35.600 --> 00:10:46.899
Damals war dieser Teil der Südslowakei bereits von den Ungarn eingenommen. 

92
00:10:46.900 --> 00:10:51.099
Ich konnte kein Ungarisch und verstand es nicht, 

93
00:10:51.100 --> 00:10:56.066
und so wusste ich nicht einmal, was der Offizier da überhaupt vor sich hinredete.

94
00:10:56.067 --> 00:10:59.899
Aber am Ende der Verhandlung sagte er mir, 

95
00:10:59.900 --> 00:11:04.766
dass ich in Anbetracht dessen, dass ich dort schon zwei Monate abgesessen hatte, 

96
00:11:04.767 --> 00:11:15.866
freigelassen werde und man mich an die slowakische Grenze bringen und zurückschicken würde.

97
00:11:15.867 --> 00:11:23.866
Das sagte er mir in slowakischer Sprache. Er sprach gut Slowakisch. 

98
00:11:23.867 --> 00:11:30.466
Man hat mich tatsächlich bis in die Nähe von Bratislava gefahren. 

99
00:11:30.467 --> 00:11:34.999
An der Grenze war keine Menschenseele. 

100
00:11:35.000 --> 00:11:41.399
Nicht einen slowakischen Soldaten habe ich dort getroffen. 

101
00:11:41.400 --> 00:11:48.666
Nur ungarische Soldaten aus diesem Teil Ungarns in Schützengräben. 

102
00:11:48.667 --> 00:11:55.032
Und so kam ich unversehrt nach Bratislava 

103
00:11:55.033 --> 00:12:10.799
und von dort aus habe ich dann versucht, nach oben, nach Polen zu gelangen. 

104
00:12:10.800 --> 00:12:15.632
Schließlich ist es mir gelungen. 

105
00:12:15.633 --> 00:12:29.199
Das war am 26. September, 26. August 1939.

106
00:12:29.200 --> 00:12:41.499
Damals bin ich in Těšín (Teschen), wo uns die Polen einsperrten, 

107
00:12:41.500 --> 00:12:57.666
noch weiteren Flüchtlingen begegnet – Vašek Blahna, später Pilot, aus Bílovice und noch weiteren.

108
00:12:57.667 --> 00:13:05.032
Ich nehme an, dass es ein Slowake war äh..., 

109
00:13:05.033 --> 00:13:09.866
an dessen Namen ich mich momentan nicht erinnern kann, 

110
00:13:09.867 --> 00:13:16.199
aber er kehrte später als Major aus der Sowjetunion zurück. 

111
00:13:16.200 --> 00:13:27.032
In Neutesch.. äh, in Těšín natürlich, wo man uns in eine Zelle sperrte, 

112
00:13:27.033 --> 00:13:33.966
waren überall Wanzen, sodass wir nicht einmal schlafen konnten.

113
00:13:33.967 --> 00:13:39.799
Und Vašek Blahna geriet in Wut und sagte: 

114
00:13:39.800 --> 00:13:44.332
„Verdammt nochmal, wir kommen hierher, um ihren Hals zu retten, 

115
00:13:44.333 --> 00:13:47.966
und sie gehen so mit uns um.“ 

116
00:13:47.967 --> 00:13:55.332
Und er nahm Anlauf und mit seinen langen Beinen trat er gegen die Tür.

117
00:13:55.333 --> 00:13:58.199
Und wir schlossen uns ihm an. 

118
00:13:58.200 --> 00:14:04.499
Wir waren damals zu fünft auf der Pritsche. 

119
00:14:04.500 --> 00:14:10.632
Na ja, es dauerte eine Weile und dann öffnete sich die Tür 

120
00:14:10.633 --> 00:14:16.832
und sie haben ihn just beim Stoß, beim Tritt gegen die Tür, 

121
00:14:16.833 --> 00:14:20.899
haben sie den Wächter an die gegenüberliegende Seite gedrückt. 

122
00:14:20.900 --> 00:14:24.832
Und wir sind einfach abgehauen. 

123
00:14:24.833 --> 00:14:28.066
Vašek sagt: „Los!“

124
00:14:28.067 --> 00:14:32.066
Und schon sind wir auf der Treppe nach oben. 

125
00:14:32.067 --> 00:14:40.666
Und da im Gang stellten wir fest: eine Menge Zivilisten. 

126
00:14:40.667 --> 00:14:47.099
Das waren angeblich Jüdinnen, aber ich kann Ihnen das nicht mit Bestimmtheit sagen. 

127
00:14:47.100 --> 00:14:55.866
Und diese begleiteten ihre Männer, die dort bei der Musterung waren. 

128
00:14:55.867 --> 00:15:01.166
Sie machten selbstverständlich eine Tür auf, steckten uns da rein 

129
00:15:01.167 --> 00:15:06.999
und versuchten, ihre Kerle herauszuziehen. 

130
00:15:07.000 --> 00:15:12.299
Es entstand natürlich ein Durcheinander.

131
00:15:12.300 --> 00:15:20.299
Und es dauerte eine ganze Weile, bis die polnischen Offiziere uns dort erblickten

132
00:15:20.300 --> 00:15:28.299
und uns in irgendein Polizeigefängnis führten. 

133
00:15:28.300 --> 00:15:34.832
Aber es war keines wie das vorige,

134
00:15:34.833 --> 00:15:47.499
dort war die Stube hell, offenbar leersehend für den Fall, dass flüchtige Tschechoslowaken kämen.

135
00:15:47.500 --> 00:15:49.499
Und davon gab es dort viele-

136
00:15:49.500 --> 00:15:59.832
Also haben wir von hier aus mitgehört und durch das vergitterte Fenster konnten wir den Hof sehen, 

137
00:15:59.833 --> 00:16:12.466
wo ein polnischer Polizeioffizier unterrichtete, seine Leute für den Krieg ausbildete.

138
00:16:12.467 --> 00:16:19.732
Diese mark… marschierten an ihn vorüber und salutierten und er schrie nur herum. 

139
00:16:19.733 --> 00:16:29.099
Ja und wohl tags darauf – das rückte das Monatsende, wie man so sagt, schon näher,

140
00:16:29.100 --> 00:16:36.266
führte uns ein Offizier, er war Soldat, zum Bahnhof. 

141
00:16:36.267 --> 00:16:38.766
Dort kaufte er uns Fahrkarten. 

142
00:16:38.767 --> 00:16:45.166
Und damals waren wir ungefähr zu fünfzehnt. 

143
00:16:45.167 --> 00:16:51.999
Wir stiegen in den Zug ein, aber der Zug war überfüllt bis auf die Plattformen.

144
00:16:52.000 --> 00:16:56.099
Das war einfach furchtbar. 

145
00:16:56.100 --> 00:17:01.032
Wir waren also meistens auf den Stufen, einfach wo es eben ging. 

146
00:17:01.033 --> 00:17:04.299
Wir erreichten Krakau.

147
00:17:04.300 --> 00:17:10.299
Ja, und von dort aus dauerte es nach Bronowice [Bronowice Wielkie] zu Fuß etwa, 

148
00:17:10.300 --> 00:17:21.032
man kann sagen nach mehr als einer guten halben Stunde kamen wir in diesem Lager an.

149
00:17:21.033 --> 00:17:23.799
Ja, und da waren bereits unsere Jungs. 

150
00:17:23.800 --> 00:17:28.666
Dort war von ihnen schon eine beachtliche Zahl. 

151
00:17:28.667 --> 00:17:38.999
Als am Folgetag äh... der Aufseher rapportierte, 

152
00:17:39.000 --> 00:17:47.866
der damals vom äh... Hauptmann der Gendarmerie Jan äh... Divoký bestimmt worden war, 

153
00:17:47.867 --> 00:17:54.399
wer in den Dienst kommt, habe ich mich gemeldet.

154
00:17:54.400 --> 00:18:00.766
IV: Was für.., welche Motivation hatten Sie, in die tschechoslowakischen Auslandseinheiten einzutreten?

155
00:18:00.767 --> 00:18:01.766
Was hat Sie dazu bewogen? 

156
00:18:01.767 --> 00:18:03.632
Sie waren damals sehr jung.

157
00:18:03.633 --> 00:18:08.532
EB: Das war ich. Ich war 18 Jahre alt. 

158
00:18:08.533 --> 00:18:14.032
Wissen Sie, wenn Sie diese Sache wieder aufgreifen, kann ich Ihnen sagen, 

159
00:18:14.033 --> 00:18:21.799
dass es vor allem vaterlandsliebende Lehrer waren – Petruch, Semerád, Vlk. 

160
00:18:21.800 --> 00:18:27.699
Das waren großartige Lehrer, wirklich großartig. 

161
00:18:27.700 --> 00:18:34.632
Und sie leiteten uns sehr gut dabei an, unsere Geschichte kennenzulernen, 

162
00:18:34.633 --> 00:18:42.699
so dass ich Ihnen wohl noch heute unsere Könige aufsagen kann, 

163
00:18:42.700 --> 00:18:45.732
wie sie aufeinander folgten, nicht wahr.

164
00:18:45.733 --> 00:18:53.332
Wie, halt Přemysl, Nezamysl, Mnata, Vojen, Vnislav, Křesomysl, Neklan, Hostivít und so weiter. 

165
00:18:53.333 --> 00:19:02.166
Nun diese Leute brachten uns nicht einfach nur diese Namen bei, 

166
00:19:02.167 --> 00:19:09.732
sondern sie erzählten uns eine Menge über unsere Geschichte, über unsere Nation.

167
00:19:09.733 --> 00:19:21.599
Und bei uns im Dorf gab es einen französischen Legionär, Herrn Dobeš von der Kompanie Nazdar. 

168
00:19:21.600 --> 00:19:27.799
Mit seinem Sohn war ich auch befreundet, wie es eben ging.

169
00:19:27.800 --> 00:19:32.299
Und der, wenn wir ihn dieses oder jenes fragten, 

170
00:19:32.300 --> 00:19:46.532
konnte uns sehr schön antworten, die Situation beschreiben, nicht? – Masaryk, Beneš. 

171
00:19:46.533 --> 00:19:50.066
Und so haben wir schon damals in Kinderjahren 

172
00:19:50.067 --> 00:19:59.966
viel gewusst über die Repräsentanten unserer Nation.

173
00:19:59.967 --> 00:20:11.166
Und das war wohl ebenfalls ein Grund, warum auch ich mich auf den Weg ins Ausland machte.  

174
00:20:11.167 --> 00:20:21.032
Ein weiterer war der, dass, als am 19., am 19. März  

175
00:20:21.033 --> 00:20:32.266
oder am 15., 15. März... äh... ein Bataillon deutscher Radfahrer nach Brünn vorrückte, 

176
00:20:32.267 --> 00:20:38.866
das heißt, das war die Okkupation des Restes unseres Landes –

177
00:20:38.867 --> 00:20:46.066
die haben mich natürlich nicht beeindruckt.

178
00:20:46.067 --> 00:20:49.266
Unsere Leute versteckten sich.

179
00:20:49.267 --> 00:20:57.532
nur die Deutschen, die Nazis brüllten in Modřice, in Heršpice, Vojkovice, Scherschitz (Schöllschitz), und so weiter. 

180
00:20:57.533 --> 00:21:03.932
Wir waren, könnte man sagen, ein Dörfchen, 

181
00:21:03.933 --> 00:21:12.132
das inmitten einer Ballung deutscher, in deutscher Umzingelung war. 

182
00:21:12.133 --> 00:21:17.499
Ringsum waren zumeist deutsche Dörfer. 

183
00:21:17.500 --> 00:21:27.132
Nun ja, Pater Vojtěch, um fortzufahren, 

184
00:21:27.133 --> 00:21:33.966
bedauerte mich, aber helfen konnte er mir nicht.

185
00:21:33.967 --> 00:21:40.566
Und so bin ich, wie ich schon sagte, einfach nach Ungarn aufgebrochen 

186
00:21:40.567 --> 00:21:46.966
und dann schließlich nach Polen gelangt. 

187
00:21:46.967 --> 00:22:05.299
Ja, mit den Jungs aus dem polnischen Teschen lernte ich schließlich auch Krakau und Bronowice kennen,

188
00:22:05.300 --> 00:22:11.032
wo zu jener Zeit schon 120 Leute waren. 

189
00:22:11.033 --> 00:22:14.766
Aber das waren bereits durchweg Soldaten. 

190
00:22:14.767 --> 00:22:23.699
Sie nahmen uns auf, aber ich habe mich am nächsten Tag, als uns der Kommandant fragte, 

191
00:22:23.700 --> 00:22:27.966
wer sich der Wache anschließen wolle, gemeldet. 

192
00:22:27.967 --> 00:22:33.699
Und man hat mir tatsächlich vertraut.

193
00:22:33.700 --> 00:22:40.732
Ich hatte beim Wachehalten so einen Knotenstock, 

194
00:22:40.733 --> 00:22:46.766
den mir der vorherige Wachposten übergeben hatte, nicht wahr, ein Bursche.

195
00:22:46.767 --> 00:22:52.066
Wir waren alle in Zivil, wir trugen das, was wir beim Grenzübertritt anhatten. 

196
00:22:52.067 --> 00:22:57.966
Und das Lager war von so einem offenbar aufgeschütteten Wall umgeben. 

197
00:22:57.967 --> 00:23:06.532
Und dieser Wall war schon mit ziemlich beachtlichen Büschen und Bäumen bewachsen. 

198
00:23:06.533 --> 00:23:13.932
Ja und durch diesen Bewuchs sind wir nachts hindurchgegangen und haben das Lager bewacht. 

199
00:23:13.933 --> 00:23:19.532
Mein Unglück, ohne dass ich mir dessen bewusst war, das erst später, 

200
00:23:19.533 --> 00:23:29.699
es war ausgerechnet die Nacht, als der Frieden vorbei war und der Krieg begann. 

201
00:23:29.700 --> 00:23:39.232
Morgens kehrte ich um 6 Uhr zur Unterkunft zurück.

202
00:23:39.233 --> 00:23:48.499
und kaum hatte ich mich hingelegt, sagte Herr Tatalák auf einmal –

203
00:23:48.500 --> 00:23:59.166
das war ein Verkehrsflugzeugpilot auf der Strecke Prag-Bukarest, 

204
00:23:59.167 --> 00:24:03.799
der auch geflüchtet war, und er sagte: 

205
00:24:03.800 --> 00:24:15.766
„Jungs, hört ihr was?“ – „Aber, ich bitte Dich. Erzähl doch nichts! Du hast Halluzinationen!“, und so weiter. 

206
00:24:15.767 --> 00:24:22.166
Keiner hörte was. Aber kurz darauf, auf einmal horchten alle auf.

207
00:24:22.167 --> 00:24:32.399
Und wir liefen hinaus und über uns flogen zwei Bomber. 

208
00:24:32.400 --> 00:24:41.899
Halt deutsche äh... „Kisten“, wie wir sie nannten, „Dornieren“, Dornier-Bomber.

209
00:24:41.900 --> 00:24:48.632
Und sie flogen sehr tief, vielleicht 30 Meter über unseren Dächern hinweg. 

210
00:24:48.633 --> 00:24:52.632
Stellen Sie sich mal vor, wenn die da was abgeworfen hätten,  

211
00:24:52.633 --> 00:24:58.432
ich weiß nicht, keiner von uns wäre am Leben geblieben.

212
00:24:58.433 --> 00:25:03.499
Aber sie hatten ein anderes Ziel. Sie flogen zu einem nahegelegenen Flughafen.

213
00:25:03.500 --> 00:25:16.432
Und auf diesem Flughafen zerstörten sie alle Flugzeuge und ebenso ein altes massives, riesiges Lagerhaus, 

214
00:25:16.433 --> 00:25:21.566
dort befand sich das gesamte Armeematerial. 

215
00:25:21.567 --> 00:25:30.632
Na ja, nach diesen kamen kurze Zeit später weitere Flugzeuge, in Richtung Krakau. 

216
00:25:30.633 --> 00:25:35.532
Und wir sahen von unserem Standpunkt aus, wie es dort donnerte, 

217
00:25:35.533 --> 00:25:43.732
nein, wir hörten und sahen einfach, wie Rauch aufstieg und so weiter. 

218
00:25:43.733 --> 00:25:48.732
Und als dann die Entscheidung kam,

219
00:25:48.733 --> 00:26:02.599
äh... der Hauptmann der Gendarmerie sandte einen Meldegänger, Br... äh Bruder Leskota, 

220
00:26:02.600 --> 00:26:08.899
auf einem Motorrad nach Krakau zum Konsulat.

221
00:26:08.900 --> 00:26:15.632
Ja, natürlich musste er in Erfahrung bringen, wie die Lage war 

222
00:26:15.633 --> 00:26:21.099
und wie wir uns dementsprechend einrichten sollten. 

223
00:26:21.100 --> 00:26:29.899
Ja und dann fuhr Leskota los und er kehrte mit einer traurigen Nachricht zurück. 

224
00:26:29.900 --> 00:26:36.432
Das Konsulat stand leer, der Herr Konsul war weg, ja, 

225
00:26:36.433 --> 00:26:41.599
es standen allenfalls noch ein paar Koffer vor dem Konsulat. 

226
00:26:41.600 --> 00:26:54.366
Und so kam am Abend der Befehl, das Bronowitzer Lager zu verlassen. 

227
00:26:54.367 --> 00:27:00.766
Ein Teil unterstand Hauptmann Mesenský, 

228
00:27:00.767 --> 00:27:04.399
aber Vorsicht, bitte in Anführungszeichen, 

229
00:27:04.400 --> 00:27:08.532
Hauptmann Mesenský war gar kein Hauptmann, 

230
00:27:08.533 --> 00:27:17.332
sondern bekam diesen Rang oder übernahm ihn wiederum von... von seinem Bruder. 

231
00:27:17.333 --> 00:27:24.566
Er verbarg sich nämlich hinter dem Rang seines Bruders, einfach so. 

232
00:27:24.567 --> 00:27:29.399
Dann war da noch der Hauptmann der Luftwaffe Veselý, nicht wahr, 

233
00:27:29.400 --> 00:27:36.799
Hauptmann Zetka – das war der Direktor der Brünner Waffenfabrik und so weiter.

234
00:27:36.800 --> 00:27:42.766
Und wir brachen auf. 

235
00:27:42.767 --> 00:27:49.632
Als wir nach Ml... nach Krakau kamen, waren die Straßen in einem schrecklichen Zustand. 

236
00:27:49.633 --> 00:27:57.599
Die Menschen haben natürlich vor dem Bombardement irgendein Entkommen gesucht, irgendeinen Ort,

237
00:27:57.600 --> 00:28:04.266
wo sie sich verbergen konnten.

238
00:28:04.267 --> 00:28:14.132
Dabei haben die Bomben und das Maschinengewehrfeuer viele getroffen,

239
00:28:14.133 --> 00:28:17.599
eine Menge Menschen starben dort. 

240
00:28:17.600 --> 00:28:25.132
Und als wir zum Bahnhof kamen, um zu sehen, ob wir irgendeinen Zug erwischen könnten, 

241
00:28:25.133 --> 00:28:36.266
war der Bahnhof dort zertrümmert, die Gleise glichen Federn in einem Uhrwerk, zusammengerollt. 

242
00:28:36.267 --> 00:28:44.766
Und die Koffer lagen draußen verstreut und es wurde dort bereits geplündert. 

243
00:28:44.767 --> 00:28:48.766
Hauptmann Divoký sah, 

244
00:28:48.767 --> 00:28:55.566
dass es absolut keine Hoffnung gab, mit dem Zug von dort fortzukommen, 

245
00:28:55.567 --> 00:29:04.832
und so zogen wir uns unterhalb des Kloster... oder des Schloss..., unterhalb des Schlossgartens zurück 

246
00:29:04.833 --> 00:29:07.466
und dort überlegten wir.

247
00:29:07.467 --> 00:29:17.899
Erst in der Nacht, es war bereits dunkel, brachen wir einfach auf, ohne zu wissen wohin. 

248
00:29:17.900 --> 00:29:21.966
Der Weg dauerte sehr sehr lange.

249
00:29:21.967 --> 00:29:30.599
Ich kann also sagen, die polnische Tragödie haben wir gänzlich durchgemacht.

250
00:29:30.600 --> 00:29:47.399
In Lublin verloren wir unseren Meldegänger Wachtmeister Leskota. 

251
00:29:47.400 --> 00:29:56.966
Eine Bombe traf ihn voll, als er mit seinem Motorrad unterwegs war, unweit des Bahnhofs. 

252
00:29:56.967 --> 00:30:06.932
Auch die Jungs im Bunker am Bahnhof wurden getroffen, 

253
00:30:06.933 --> 00:30:19.532
aber sie erlitten nur eine leichte Gasvergiftung und glücklicherweise kam dort niemand ums Leben.

254
00:30:19.533 --> 00:30:23.832
Wir brachen halt wieder auf.

255
00:30:23.833 --> 00:30:31.766
In diesen schwülen Tagen legten wir natürlich wieder ein schönes Stück Wegstrecke zurück,

256
00:30:31.767 --> 00:30:36.632
im Sand bis über die Knöchel.

257
00:30:36.633 --> 00:30:43.099
Denn dort bildete sich bei Nässe, wenn es regnete, Schlamm 

258
00:30:43.100 --> 00:30:52.499
und bei Sonnenschein war der Boden einfach staubtrocken. Ja.

259
00:30:52.500 --> 00:30:55.932
IV: Ich weiß, dass sie am Ende bis nach Rumänien gelangt sind.

260
00:30:55.933 --> 00:31:04.966
EB: Ja, wir sind vor allem ähm... Deljatyn, vor Deljatyn, 

261
00:31:04.967 --> 00:31:16.032
und vor Deljatyn, Achtung, vor Deljatyn, dort führt vor..., über eine tiefe Schlucht eine sehr lange Brücke 

262
00:31:16.033 --> 00:31:19.099
und hinter dieser ist ein Tunnel. 

263
00:31:19.100 --> 00:31:24.266
Und wir sind in diesen Tunnel hineingefahren und kaum waren wir wieder aus dem Tunnel herausgefahren, 

264
00:31:24.267 --> 00:31:32.499
tauchte von der Seite ein Flugzeug mit polnischem Wappen. 

265
00:31:32.500 --> 00:31:38.332
Und unser letzter Waggon verließ den Tunnel

266
00:31:38.333 --> 00:31:45.666
und auf einmal ein Riesenknall und der Tunnel stürzte ein. 

267
00:31:45.667 --> 00:31:56.599
Wir sind also dem Einschluss im Tunnel, wie man sagt, nur um Haaresbreite entronnen. 

268
00:31:56.600 --> 00:32:06.399
Es ist wahrscheinlich, dass sich die Deutschen des Flugzeugs bereits auf dem Flughafen bemächtigt hatten

269
00:32:06.400 --> 00:32:12.766
und es dann zu diesem Zweck benutzten. Aber wer weiß?

270
00:32:12.767 --> 00:32:16.266
Das kann ich nicht bestätigen. 

271
00:32:16.267 --> 00:32:20.366
Nur dass es wirklich passiert ist. 

272
00:32:20.367 --> 00:32:31.566
Hinter Deljatyn sind wir noch ein Stück weitergekommen und von da an mussten wir dann zu Fuß weiter. 

273
00:32:31.567 --> 00:32:37.566
Unweit war schon die sowjetische Fahne zu sehen – Kolomyja (Kolomea),

274
00:32:37.567 --> 00:32:47.032
aber wir bogen rechts ab, in Richtung rumänische Grenze.

275
00:32:47.033 --> 00:32:52.332
Auf dem Weg trafen wir, ja hm..., 

276
00:32:52.333 --> 00:33:00.832
da trafen wir Menschen aus den umliegenden kleinen Dörfern und so weiter.

277
00:33:00.833 --> 00:33:05.866
Und sie brachten in Körben Nüsse, Äpfel und so weiter.

278
00:33:05.867 --> 00:33:07.832
Ja, um uns mit irgendwas zu bewirten. 

279
00:33:07.833 --> 00:33:13.332
Und sie vermuteten bereits, dass wir Russen sind. 

280
00:33:13.333 --> 00:33:21.332
Entlang der Straße standen verlassene Panzer, Ausrüstung,

281
00:33:21.333 --> 00:33:28.766
die die Franzosen den Polen zu deren Sicherheit gegeben hatten,

282
00:33:28.767 --> 00:33:31.499
ja und das war alles. 

283
00:33:31.500 --> 00:33:39.366
In Złoczów (Solotschiw) [hustet], zuvor noch in Złoczów passierte uns,

284
00:33:39.367 --> 00:33:44.699
als wir nach mehreren Tagen des Hungerns und so weiter, herausliefen, 

285
00:33:44.700 --> 00:33:50.766
um uns einfach ein paar Kartoffeln und irgendwas zu essen zu erbetteln, 

286
00:33:50.767 --> 00:33:52.799
wissen Sie, was da passierte?

287
00:33:52.800 --> 00:33:57.699
Es flogen Flugzeuge heran und sie fingen an, drauf loszuschlagen. 

288
00:33:57.700 --> 00:34:06.966
Vor dem Zug, Eisen... ähm die Eisenbahn, die Strecke, ja, und dahinter auch. 

289
00:34:06.967 --> 00:34:10.766
Ja, und als wir zurückkehrten, 

290
00:34:10.767 --> 00:34:14.632
haben wir hie und da doch irgendwo etwas auftreiben können, 

291
00:34:14.633 --> 00:34:16.266
wir stopften es in die Ärmel, 

292
00:34:16.267 --> 00:34:21.266
wir verknoteten die Hemdsärmel, nicht wahr, und so zogen wir los. 

293
00:34:21.267 --> 00:34:23.999
Und als wir zum Bahnhof kamen, 

294
00:34:24.000 --> 00:34:30.066
sprangen aus einem Waggon Polen heraus, polnische Offiziere. 

295
00:34:30.067 --> 00:34:38.399
Mein Gott, wir waren 16 Männer, sie stellten uns in eine Reihe bei einer kleinen Station, 

296
00:34:38.400 --> 00:34:43.932
einer neuen, auf. Und sie wollten uns erschießen. 

297
00:34:43.933 --> 00:34:50.799
Und es hat nicht viel gefehlt und wir wären nie mehr zurückgekommen.

298
00:34:50.800 --> 00:34:53.832
Was Hauptmann Divoký für Anstrengungen unternehmen musste! 

299
00:34:53.833 --> 00:35:00.099
Und das ist wohl nur eine Anmerkung.

300
00:35:00.100 --> 00:35:10.567
Und wir kamen nach Rumänien.

