WEBVTT

1
00:00:01.333 --> 00:00:02.999
CM: Okay, läuft.

2
00:00:03.000 --> 00:00:04.999
IV: Heute ist der 25. oder der 26.?

3
00:00:05.000 --> 00:00:07.966
CM: Ja, der 25.

4
00:00:07.967 --> 00:00:29.999
IV: Es ist heute ah Samstag, der 25. April 19, 2015, wir sind in Weiden im Hotel Admira und führen jetzt ein Gespräch mit Mr. Vernon Schmidt, einem der Befreier von Flossenbürg.

5
00:00:30.000 --> 00:00:30.999
CM: Und läuft.

6
00:00:31.000 --> 00:00:37.866
IV: Nun lassen Sie uns, Sie schauen einfach mich an, nicht die Kamera, als würden wir uns unterhalten, als würden Sie in einem Restaurant oder so sitzen..

7
00:00:37.867 --> 00:00:38.132
VS: Okay.

8
00:00:38.133 --> 00:00:38.966
IV: ..in einer Bar.

9
00:00:38.967 --> 00:00:42.699
Also lassen Sie uns mit der Geschichte beginnen, bevor Sie nach Flossenbürg gekommen sind.

10
00:00:42.700 --> 00:00:50.632
Wie sind Sie ah während des Krieges nach Europa gekommen und auf welchem Weg sind Sie gekommen, was waren die Stationen bis Sie hierher gekommen sind?

11
00:00:50.633 --> 00:01:00.432
VS: Ich, ich habe ah New York auf der Queen Mary verlassen, die es in sechs Tagen schaffen konnte, den Ozean zu durchfahren und wir landeten in ah Glasgow, Scottland.

12
00:01:00.433 --> 00:01:08.999
Es waren 15.000 von uns an Bord und ah plus 500 ah Frauen ah vom Roten Kreuz.

13
00:01:09.000 --> 00:01:13.666
Und ah und wir sind mit dem Zug nach Southampton, England, gefahren.

14
00:01:13.667 --> 00:01:18.766
Dort gingen wir an Bord eines Truppenschiffs, das uns nach Le Havre übergesetzt hat.

15
00:01:18.767 --> 00:01:26.532
Das war in {räuspert sich} ah ich kam hier in den letzten Tagen im ah Januar 1945 an. 

16
00:01:26.533 --> 00:01:41.266
Und sie, ah wir sind an Bord des Truppenschiffes gegangen und, aber weil Le Havre... Der Hafen war so durch gesunkene Schiffe zerstört worden, dass wir von der Seite abstoßen mussten bis zu...

17
00:01:41.267 --> 00:01:54.332
An Seilen hinab in ein Higgins Boot, das ungefähr 50 Menschen fassen konnte und dann trugen sie uns und wir landeten an der Küste, so wie in der Normandie.

18
00:01:54.333 --> 00:01:57.532
Nur dass wir nicht unter Beschuss standen, uns ging's okay.

19
00:01:57.533 --> 00:02:06.099
Also dann kamen wir von dort in ein Aufnahmezentrum, ah was später das Lager Lucky Strike wurde.

20
00:02:06.100 --> 00:02:11.166
Und dort waren wir in einem großen.., versammelt in der Nähe des Bahnhofes.

21
00:02:11.167 --> 00:02:17.366
Und sie haben uns zu Essen gegeben und wir wurden zu der Zeit von der Glenn Miller Band unterhalten.

22
00:02:17.367 --> 00:02:28.499
Und nachdem sie uns zu Essen gegeben hatten, stiegen wir auf ah geschlossene Güterwägen und von dort war es eine Drei-Tage-Reise, von Le Havre nach Metz.

23
00:02:28.500 --> 00:02:37.099
Heute kann man die Strecke wahrscheinlich in ein paar Stunden fahren, aber wir haben drei Tage gebraucht, wegen der kaputten Gleise und den Prioritäten und so weiter.

24
00:02:37.100 --> 00:02:44.799
Und es war kalt, es schneite und ah die offenen Güterwägen waren, wir waren dort, könnte man sagen, wie Vieh eingepfercht.

25
00:02:44.800 --> 00:02:48.999
Und wir fuhren mit, mit dem Zug bis nach Metz.

26
00:02:49.000 --> 00:02:55.999
In Metz erhielten wir unsere Gewehre und Munition und wir gingen auf den Schießplatz, um unsere Waffen schussbereit zu machen.

27
00:02:56.000 --> 00:03:07.332
Und dann fuhren wir in einem LKW bis nach Belgien, nach ah Luxembourg und dann in die erste Grenzstadt zwischen Belgien und Deutschland,

28
00:03:07.333 --> 00:03:11.899
das war eine kleine Stadt mit dem Namen Habscheid, dort am Westwall.

29
00:03:11.900 --> 00:03:22.632
Und von dort aus {räuspert sich} wurden drei von uns vom LKW gelassen und ihnen wurde gesagt, dort drüben in der Kirche Stellung zu beziehen, die komplett ausgebombt war. 

30
00:03:22.633 --> 00:03:26.032
Ich habe ein Foto von der Kirche mitgebracht {lacht}.

31
00:03:26.033 --> 00:03:27.999
Und wir saßen in der Kirche und er sagte:

32
00:03:28.000 --> 00:03:30.999
"Wenn es dunkel wird, wird irgendwann jemand kommen und euch holen."

33
00:03:31.000 --> 00:03:37.899
Und ah, als es dunkel wurde kamen sie, wir waren zu dritt, in der Nacht ließen sie uns raus und wir gingen in einen Bunker.

34
00:03:37.900 --> 00:03:48.132
And dort, dort trafen wir meine Truppe der Kompanie E der 90. Infanteriedivision und dann trafen wir einen Offizier, der sagte:

35
00:03:48.133 --> 00:03:52.999
"Macht es euch gemütlich, wir ziehen um sechs Uhr los."

36
00:03:53.000 --> 00:03:56.632
Ich wusste wirklich nicht, was das bedeutete, aber am nächsten Morgen fand ich es heraus.

37
00:03:56.633 --> 00:04:02.432
Also so war das, wie ich am nächsten Tag in den Kampf eingeführt wurde.

38
00:04:02.433 --> 00:04:12.099
Das war zwei Wochen nach England oder..., zwei Wochen hat es gedauert, bis ich von New York an die Front zum Kämpfen gekommen bin, überwiegend an den Bunkern.

39
00:04:12.100 --> 00:04:17.999
Die Bunker auflösen und die Deutschen nach Osten drängen.

40
00:04:18.000 --> 00:04:35.432
Also es ging ziemlich langsam voran, wir hatten Schnee, es gab Hagel, wir hatten Regen und in den Bunkern gab es keine Heizungen, kein, kein Licht und feuchter Beton, also sie waren kalt.

41
00:04:35.433 --> 00:04:41.332
Und ah so war auch der Boden, auf dem wir viele Nächte einfach auf dem kalten Boden schliefen.

42
00:04:41.333 --> 00:04:43.732
In einigen Nächten haben wir noch nicht einmal Decken bekommen.

43
00:04:43.733 --> 00:04:45.166
In den Wäldern konnten sie uns nicht finden.

44
00:04:45.167 --> 00:04:47.099
Also es, es war kalt.

45
00:04:47.100 --> 00:05:01.932
Und ah wir drei (???), ah wir waren unter direktem Beschuss einer deutschen 88 und ah meine beiden Kollegen, die zehn Tage vorher mit mir oben in der Kirche gewesen waren, wurden beide getötet,

46
00:05:01.933 --> 00:05:12.532
mit einigen anderen, ein paar weiteren Verletzten und für einen Jungen war das, ich war gerade einmal 19, ich war, es, war es nicht so, so toll.

47
00:05:12.533 --> 00:05:25.499
Ich meine, ich war noch ziemlich naiv, bin in einer ziemlich engen Familie aufgewachsen und es geschahen also eine Menge Dinge ganz schnell, mit denen ich nicht wirklich vertraut war, aber ah..

48
00:05:25.500 --> 00:05:30.432
Zu Hause hatte ich eine Mutter und einen Vater, die jeden Tag für mich gebetet haben.

49
00:05:30.433 --> 00:05:41.266
In der Zwischenzeit wurde mein Bruder gefangengenommen und verwundet, von den Deutschen in Frankreich und befand sich schon im Stalag, aber ich wusste davon nichts, er wusste nichts von mir.

50
00:05:41.267 --> 00:05:50.932
Also wir hatten überhaupt keinen Kontakt, bis er im April befreit und dann nach Hause geschickt wurde und dann standen wir also wieder im Kontakt, aber das war mein Bruder.

51
00:05:50.933 --> 00:06:08.866
Und ah als Infanterist ah hatten wir viele wirklich schwierige Tage, wirklich schwierige.

52
00:06:08.867 --> 00:06:13.532
IV: Also und dann später ah, was war dann, wenn Sie fortfahren...

53
00:06:13.533 --> 00:06:25.666
VS: Nun ah wie Sie wissen, sind wir nicht wirklich schnell voran gekommen, wir bewegten uns, {lacht} wir bewegten uns in Yards fort, besonders in diesen ersten Wochen.

54
00:06:25.667 --> 00:06:38.432
Dann, als wir dort hinkamen, war es unser Ziel, den Rhein zu erreichen und natürlich mussten wir die Mosel überqueren und ah ich überquerte die Mosel auf einem kleinen, hölzernen Floß,

55
00:06:38.433 --> 00:06:44.132
dass uns am 14. März mit einem kleinen Motor über den Fluss brachte.

56
00:06:44.133 --> 00:06:54.432
Und wir trafen auf den steilen Bergen auf der anderen Seite eine ziemlich harte SS Einheit, die uns davon abhalten sollte, den Fluß Rhein zu erreichen.

57
00:06:54.433 --> 00:07:07.066
Also ergab sich dort eine Schlacht über drei Tage. Ah, unser Glück war es, dass wir am nächsten Tag Panzer einsetzen konnten, die die Deutschen zu dieser Zeit nicht hatten.

58
00:07:07.067 --> 00:07:35.166
Also hatten wir so etwas wie einen, {räuspert sich} hatten ihnen gegenüber einen Vorteil, aber ah die SS wollte nicht aufgeben, also mussten wir sie praktisch zerstören. Und innerhalb dreier Tage waren sie einfach, einfach platt gemacht, der Ort wurde "Maschinengewehr Berg" genannt, denn sie wollten einfach nicht aufgeben. Sogar ihr General, der von General Göring zum Ritter geschlagen worden war,

59
00:07:35.167 --> 00:07:45.599
kam hoch, um herauszufinden, warum sie nicht voran kamen und einer unserer Männer hat ihn schließlich ins Visier genommen und ihn getötet.

60
00:07:45.600 --> 00:07:49.632
{hustet} Entschuldigung, also es war, es war sehr zehrend.

61
00:07:49.633 --> 00:07:57.332
IV: Machen Sie langsam, machen Sie langsam.

62
00:07:57.333 --> 00:08:08.966
VS: Wir fanden heraus, {hustet} wir trafen dort einige, einige deutsche Historiker, die uns hinunter zum deutschen Friedhof gebracht haben und ich bin durch die Grabsteine dort gewandert

63
00:08:08.967 --> 00:08:16.699
und es waren, all die Todestage waren entweder am 14. oder 15. oder 16. März.

64
00:08:16.700 --> 00:08:24.532
Und viele von ihnen waren 18, 19, 21 Jahre alt, Kinder und die meisten von ihnen waren alle SS.

65
00:08:24.533 --> 00:08:38.199
Und ah Jahre später wurden immer mehr Bücher herausgegeben, die die Geschichte erzählten und so weiter und diese Menschen dort waren dieselben, die zwei Monate zuvor meinen Bruder verwundet und gefangen genommen hatten.

66
00:08:38.200 --> 00:09:03.399
Also ah fühlte ich mich vielleicht ein wenig so, dass meine Einheit sich dafür revangiert hatte, was sie ihm angetan hatten, aber ah, also falls es bei dieser bestimmten Schlacht irgendeine Art Happy-End gegeben haben sollte, war es dieses, dass ah die Vergeltung meines Bruders ein Teil dieser Schlacht dort geworden war.

67
00:09:03.400 --> 00:09:12.232
Aber wir waren wieder dort und sie zeigten uns eigentlich die gleichen Bunker, ah Entschuldigung, die Schützengräben sind immer noch dort und man kann sie sehr gut erkennen und,

68
00:09:12.233 --> 00:09:21.032
und ah also wir waren 2012 dort und auch im letzten Jahr und wir haben dort wieder dieselben Leute getroffen.

69
00:09:21.033 --> 00:09:36.532
Sehr nette deutsche Ingenieure oder einfach angenehme Menschen, die uns mitgenommen haben und das studiert haben, sie zeigten uns, und bestätigten, dass die Archive der 90. Division genau das zeigten, was sie herausgefunden hatten.

70
00:09:36.533 --> 00:09:46.699
Und als wir dort einen Zivilisten getroffen haben, getroffen haben, der zu der Zeit der Schlacht neun Jahre alt gewesen war, aber sie hatten ihn in ein Versteck im Berg, in eine Höhle evakuiert,

71
00:09:46.700 --> 00:09:53.766
so dass sie die Zivilbevölkerung retten konnten und ah später zurück nach unten kam, um dort zu, zu leben.

72
00:09:53.767 --> 00:10:04.232
Dieses Mal haben wir ihn letztes Jahr dort drüben getroffen, ein angenehmer Herr, er hat mir einige Teile des, des Panzers gegeben, der dort zerstört worden war.

73
00:10:04.233 --> 00:10:15.332
Einer unserer Panzer wurde genau dort zerstört, wo er gewohnt hatte und er gab mir Stücke des Panzers, Stücke von dem Schaden und so weiter und, und ein paar Reste der verwendeten Munition.

74
00:10:15.333 --> 00:10:20.966
Also {räuspert sich} war, es war interessant, zurückzukommen und diese Geschichte wiederzubeleben.

75
00:10:20.967 --> 00:10:35.666
Ah wir überquerten, als nächstes ging es darum, nachdem wir die Mosel überquert hatten, die Stadt Mainz einzunehmen und die 90. Division hatte sich stark vorgenommen, diese Stadt einzunehmen und ah {räuspert sich}

76
00:10:35.667 --> 00:10:43.699
wir kamen nach Mainz durch ah, durch eine Apfelplantage und wir wurden sofort mit kleinkalibrigen Waffen angegriffen.

77
00:10:43.700 --> 00:10:57.866
Und wir hatten wieder das Glück ah, dass die Apfelplantage} tiefe (???) hatte, so dass wir wie in einer Zwinge dort liegen konnten und wir konnten das Knallen der Waffen direkt über unseren, unseren Köpfen hören.

78
00:10:57.867 --> 00:11:02.232
Also, dadurch, dass wir dort unten liegen konnten, konnten wir dem Feuer entgehen.

79
00:11:02.233 --> 00:11:19.232
{hustet} Und ah dann sind wir, hieß man uns aufzustehen, als wir zu den ersten Gebäuden kamen und, und im Marsch zu schießen, wo, wir feuerten unsere M1s von der Hüfte, während wir in die Gebäude dort eintraten.

80
00:11:19.233 --> 00:11:25.799
Und ah dann gerieten wir in ein Artillerie Sperrfeuer .

81
00:11:25.800 --> 00:11:30.332
Die Deutschen schossen über uns und die Amerikaner schossen von der anderen Seite.

82
00:11:30.333 --> 00:11:31.799
Wir waren genau in der Mitte gefangen.

83
00:11:31.800 --> 00:11:40.532
Und dort war es schon wieder so, wie in der Redewendung "die Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben", man wusste ganz einfach nicht, welche, was,

84
00:11:40.533 --> 00:11:55.366
aber wieder später war dort ein Kamerad, der ein Radio bei sich trug, ein großes Radio, auf seinem Rücken mit einer großen, langen, 10 Fuß Antenne und offensichtlich sprach er mit der Air Force, oder der Air Corps zu dieser Zeit,

85
00:11:55.367 --> 00:12:05.532
und ah vier P47ern gelang es, durchzukommen und sie schossen ganz in unsere Nähe, so dass wir die Piloten in den Flugzeugen sehen konnten, also waren sie,

86
00:12:05.533 --> 00:12:14.166
einer dicht hinter dem anderen kam durch, schoss dort in die Stadt, in Mainz und es gelang ihnen, die Lage für uns wirklich zu entschärfen.

87
00:12:14.167 --> 00:12:18.732
Aber Hitler hatte an die Verantwortlichen dort einen Befehl ausgegeben:

88
00:12:18.733 --> 00:12:22.199
"Ihr kämpft bis zum letzten Mann und bis zur letzten Kugel."

89
00:12:22.200 --> 00:12:31.666
Aber, wenn ein Flugzeug mit einem 8.50 Kaliber hinunterkommt, zerstörst du irgendwie das Vertrauen eines Mannes daran, was jemand gesagt hat:

90
00:12:31.667 --> 00:12:33.732
"Kämpf bis zum letzten Mann oder bis zur letzten Kugel."

91
00:12:33.733 --> 00:12:43.499
Also wir, wir, das Gebiet wurde für uns vorbereitet und auf (???) gesichert, vielleicht hat eine der P47er mein Leben gerettet,

92
00:12:43.500 --> 00:12:53.266
denn ah einige Deutsche haben auf mich von einem anderen Gebäude aus gezielt und mein Kamerad neben mir hatte eine B.A.R. und ich sagte:

93
00:12:53.267 --> 00:12:56.666
"Mike, die beiden Typen dort werden uns kalt machen."

94
00:12:56.667 --> 00:13:01.966
Ich sagte: "Sie werden die Treppe runter kommen, durch den Keller hinauf und uns erwischen."

95
00:13:01.967 --> 00:13:11.566
Also ging Mike rüber zum Fenster, ein zweigeschossiges Gebäude, und er lehnte seine B.A.R., natürlich kamen sie beide raus,

96
00:13:11.567 --> 00:13:20.099
und Mike putze alles aus mit seiner B.A.R., drehte sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu mir.

97
00:13:20.100 --> 00:13:22.066
Er sagte: "Schmiddie, die kommen nicht hoch."

98
00:13:22.067 --> 00:13:27.299
Aber danach haben wir angefangen, ziemlich viele Gefangene zu nehmen.

99
00:13:27.300 --> 00:13:28.732
Das war die Eroberung Mainzs.

100
00:13:28.733 --> 00:13:33.899
Zwei Tage später haben wir den Fluß Rhein überquert und wir waren.., auf Pontonbrücken.

101
00:13:33.900 --> 00:13:43.499
Und dann waren wir, wurden wir von der Luftwaffe beschossen, aber ah wieder das selbe, diese armen Jungs dort in der Luftwaffe, das war quasi eine Selbstmord-Mission für sie.

102
00:13:43.500 --> 00:13:47.666
Aber sie haben versucht, die Brücke zu zerstören, damit wir unsere Panzer nicht rüber bringen können.

103
00:13:47.667 --> 00:13:54.332
Aber ah unser Glück war es, {räuspert sich} dass sie niemanden getroffen haben.

104
00:13:54.333 --> 00:14:03.632
Ich bin mir sicher, dass er Angst hatten, auch einfach nur runterzukommen, denn wir hatten 50, Quad 50 Kettenfahrzeuge dort überall den Fluss hoch und runter.

105
00:14:03.633 --> 00:14:07.566
Und ah für sie war das einfach eine Selbstmord-Mission.

106
00:14:07.567 --> 00:14:09.732
Den ganzen Tag über haben wir Flugzeuge runtergeholt.

107
00:14:09.733 --> 00:14:11.066
Dann kamen sie in der Nacht.

108
00:14:11.067 --> 00:14:16.399
{räuspert sich} Und haben Leuchtraketen herunter geschossen, damit sie die Brücke sehen konnten, und versuchten, die Brücke zu zerstören.

109
00:14:16.400 --> 00:14:27.099
Wieder diese Kaliber 50, vier von denen in einem solchen Halbkettenfahrzeug, sie haben einfach, die ganze Nacht über ah mit diesen Magnesiumraketen.

110
00:14:27.100 --> 00:14:28.232
Wir waren ungefähr eine Meile entfernt.

111
00:14:28.233 --> 00:14:30.766
Wir konnten eine Zeitung lesen, so hell wie dieses Licht hier.

112
00:14:30.767 --> 00:14:38.399
Und ah die Luftwaffe war damals schon beinahe zerstört und sie hatten kaum noch Treibstoff.

113
00:14:38.400 --> 00:14:42.332
Und die meisten ihrer wichtigsten Piloten waren entweder verletzt oder getötet.

114
00:14:42.333 --> 00:14:50.632
Also viele von diesen Jungs, ich bin mir sicher, ich habe einen, einen Kampfpiloten als Gefangenen genommen, ziemlich kurz danach, es war ein junger Kerl.

115
00:14:50.633 --> 00:15:04.032
Und ah, aber dann haben wir, wir auch {räuspert sich} das Gold entdeckt, das vergraben war {räuspert sich}, entschuldigen Sie, oben in Merkers,

116
00:15:04.033 --> 00:15:12.132
dort oben bei Weimar und ah die 90. Division hat das entdeckt, also waren wir dort involviert.

117
00:15:12.133 --> 00:15:21.999
{räuspert sich} Von dort kamen wir durch Hof, dort hatten wir einen, einen, einen ziemlichen Schlagabtausch, dort in, in der Stadt Hof.

118
00:15:22.000 --> 00:15:29.999
Und dann war der nächste Schritt, führte hier runter nach, nach ah Grafenwöhr, in das große Lager dort in Grafenwöhr.

119
00:15:30.000 --> 00:15:31.232
IV: Wie viele Tage haben Sie für diese, diese Strecke gebraucht? 

120
00:15:31.233 --> 00:15:32.999
VS: Das, wie bitte?

121
00:15:33.000 --> 00:15:37.999
IV: Wie viele Tage brauchten Sie, um vom Rhein hoch nach Grafenwöhr zu gelangen?

122
00:15:38.000 --> 00:15:50.832
VS: Okay, wir, wir setzten über am, am, am 24. März und am 5. April waren wir in Fulda und, und Merkers und Weimar und das wäre dann

123
00:15:50.833 --> 00:15:59.032
und wir gingen von dort ungefähr am 7. oder 8. fort, nein, am 8., ah Präsident Roosevelt ist am 12. gestorben.

124
00:15:59.033 --> 00:16:04.699
Wir waren dort oben, als er um den 12. April starb, oben in der Nähe von Merkers.

125
00:16:04.700 --> 00:16:11.332
{räuspert sich} Dann haben wir uns hinuntergearbeitet, ich glaube, die Gegend wird Thüringen genannt, Thüringen.

126
00:16:11.333 --> 00:16:16.999
Wir zogen durch ah, ah Ludwigsstadt, ah ich kann mich daran nicht erinnern.

127
00:16:17.000 --> 00:16:32.566
Und dann nach, runter nach Bayreuth und, und dann Hof und dann am 18. April hier runter an die Grenze {räuspert sich}, die 90. Division war die erste, die es geschafft hatte, Deutschland in zwei Hälften zu schneiden, indem sie in die Tschechoslowakai eindrang.

128
00:16:32.567 --> 00:16:42.999
Wieder ah war es, meine Einheit war in das 358. Regiment involviert, wir gingen dort hinein und kamen ein paar Tage später wieder zurück, aber unser Ziel war es dort, es in Zwei zu teilen.

129
00:16:43.000 --> 00:16:56.666
Und irgendwie herauszufinden, glaube ich, wieviel Widerstand sich uns immer noch entgegenstellte, wissen Sie, und von dort zogen wir uns zurück und bewegten uns entlang der Grenze.

130
00:16:56.667 --> 00:17:05.832
Und also das war der 18., dann waren wir in der Nähe ah von Plauen und Bärnau, glaube ich.

131
00:17:05.833 --> 00:17:18.599
Und, und dann ah am 23., dann waren wir hier in ah Flossenbürg und die Kompanie C der 358. zog ein nach, ich war in der Kompanie E, also war ich außerhalb des Lagers.

132
00:17:18.600 --> 00:17:30.666
Und wir waren, meine Einheit war ziemlich stark daran beteiligt, mit der, mit der, der, der Befreiung und der Rettung von vielen aus Flossenbürg, die auf dem Todesmarsch waren.

133
00:17:30.667 --> 00:17:41.832
Und ah auf dem gesamten Weg, nun sie waren, sie haben es am 16. geräumt, sie haben das Lager Flossenbürg am 16. geräumt, wir sind am 23. gekommen, also eine Woche später.

134
00:17:41.833 --> 00:17:49.999
Also waren viele von ihnen nicht so weit von hier entfernt, ah die, die einfach nicht, wissen Sie, physisch in der Lage waren, so schnell zu gehen.

135
00:17:50.000 --> 00:18:03.666
Und ah also von hier verteilte sich die 90., von hier gerade hinunter bis nach Cham und ah die meisten wurden am, ich denke um den 26. April, befreit.

136
00:18:03.667 --> 00:18:15.599
Und ah ich persönlich habe viele auf dem Todesmarsch gesehen, die entweder erschossen worden waren oder gestorben waren und sie waren einfach, am Rande der Straße,

137
00:18:15.600 --> 00:18:20.832
dort gruben sie einfach einen kleinen Graben rollten sie hinein, bedeckten sie mit Dreck und Blättern und so weiter 

138
00:18:20.833 --> 00:18:25.632
wir sahen vielleicht ein Bein herausragen oder einen Arrm, der herausschaute oder so etwas in der Art.

139
00:18:25.633 --> 00:18:28.999
Für einen Jungen von 19 Jahren waren das furchtbare Dinge zu sehen.

140
00:18:29.000 --> 00:18:35.432
IV: Ah als sie in die Nähe des Lagers kamen, wussten Sie ah, was Sie erwarten würde?

141
00:18:35.433 --> 00:18:39.999
Wussten Sie irgendetwas über Lager, das sie, dass es Lager gäbe, sie existieren würden?

142
00:18:40.000 --> 00:18:42.599
Wie die Situation sein könnte?

143
00:18:42.600 --> 00:18:47.666
VS: Wir, wir wussten gar nichts, ich, ich denke, wir wussten erst in der Nacht davor, dass es dort ein Lager gibt.

144
00:18:47.667 --> 00:18:57.166
Und und und wir hatten nur den Befehl, in dieses Gebiet zu gehen und ich, die, die Nacht blieben ein paar von unseren Leuten in Floß.

145
00:18:57.167 --> 00:19:02.999
Und uns wurde gesagt, ein paar entweder Zivilisten irgendjemand mussten uns gesagt haben, dass es dort in der Nähe ein Lager gäbe,

146
00:19:03.000 --> 00:19:09.499
denn die 90. oder ich glaube, die Dritte Armee, von der ich Teil war, wusste davon nicht.

147
00:19:09.500 --> 00:19:20.999
Und und ich, ich habe gerade gestern oder am, ja, gestern haben wir einige Menschen getroffen, die damals während des Luftbeschusses durch amerikanische Flugzeuge dabei waren.

148
00:19:21.000 --> 00:19:31.999
Also zwischen dem, bei der Räumung, als also am 16., 17., 18. hier geräumt wurde, und alle auf Züge geladen wurden, um sie nach Dachau zu bringen.

149
00:19:32.000 --> 00:19:33.999
Und sie von den Amerikanern aus der Luft beschossen wurden.

150
00:19:34.000 --> 00:19:43.332
Also bin ich ziemlich sicher, dass wir keine Informationen darüber hatten, dass sie, jene Insassen eines, eines Konzentrationslagers waren.

151
00:19:43.333 --> 00:19:52.666
Es, es, mit unseren heutigen Technologien ist es schwer sich zurück zu versetzen und zu begreifen, über wie wenig wir verfügten, in Bezug auf Technologien.

152
00:19:52.667 --> 00:19:56.332
Wahrscheinlich hatten wir mehr Propaganda, {lacht} als dass wir Technologien hatten.

153
00:19:56.333 --> 00:20:06.666
Und so, in der Nacht zuvor, durch meine Geschichtelektüre habe ich das erfahren, dass wir informiert wurden, dass es dort in der Nähe ein Lager gäbe.

154
00:20:06.667 --> 00:20:15.399
Und wie Sie wissen, wurde Buchenwald am 11. April befreit und das war also ungefähr zwei Wochen, zwei Wochen später.

155
00:20:15.400 --> 00:20:30.332
Und mein Bruder war ah in der Nähe von Bad Orb und das war am 2. April, also das alles ging so langsam los und wir fingen an, ich denke, die Geheimdienste begannen sich zu fragen: "Wo sind all die Menschen?" Wissen Sie.

156
00:20:30.333 --> 00:20:43.866
Also ist es, es ist wieder ah es ist ziemlich traurig, dass wir darüber keine Kenntnis hatten, denn unser, unser Ziel war es, war es, zu befreien und nicht zu erobern.

157
00:20:43.867 --> 00:20:51.466
Und viele dieser Menschen haben durch die Gestapo und die SS sehr gelitten ah, starben einen furchtbaren Tod, wie Sie wissen.

158
00:20:51.467 --> 00:21:01.666
Ah, ich habe wahrscheinlich sechs oder vielleicht sieben getroffen, die auf dem Todesmarsch waren, die habe ich in, in ah meinem, in Kalifornien getroffen.

159
00:21:01.667 --> 00:21:08.999
Und und ah einer von ihnen hat eigentlich ziemlich in der Nähe gewohnt, wir wurden von einem TV-Sender aus der Stadt interviewt.

160
00:21:09.000 --> 00:21:15.666
Ah er war 21 Jahre alt, wog 62 Pfund, also wissen Sie, sie waren gehende Skelette.

161
00:21:15.667 --> 00:21:23.199
Und, und wären wir vielleicht ein oder zwei Wochen früher gekommen, hätten wir viel, viel mehr von diesen Menschen retten können.

162
00:21:23.200 --> 00:21:31.866
Aber ah und wir sind fast jeden Tag mit den Panzern gefahren, um in, in Bewegung zu sein, denn der Widerstand wurde immer geringer.

163
00:21:31.867 --> 00:21:34.999
Wir haben die Deutschen immer stärker und stärker und stärker in die Mangel genommen.

164
00:21:35.000 --> 00:21:43.332
Sie hatten immer weniger Treibstoff, so dass sie sich nicht wegbewegen konnten und, und also haben wir sie Tag für Tag vor uns hergetrieben.

165
00:21:43.333 --> 00:21:48.999
Also fuhren wir, fuhren wir ziemlich viel mit den Panzern, damit wir möglichst schnell hier runter kämen.

166
00:21:49.000 --> 00:22:03.332
Und ah es ist, ich, ich denke, was wir dort gefunden haben, einer meiner engen Freunde, der durch das Tor dort ging, ich habe erst jetzt am Montag mit ihm gesprochen, als wir seinen 95. Geburtstag gefeiert haben.

167
00:22:03.333 --> 00:22:05.666
Wir haben darüber gesprochen, heute hier zu sein.

168
00:22:05.667 --> 00:22:13.232
Und er hat gesagt: "Nun ja, Vern," sagt er, "weder könnte ich emotional damit umgehen, noch bin ich heute körperlich dazu in der Lage."

169
00:22:13.233 --> 00:22:20.999
Aber er sagt: "Weiß du, wenn wir nur früher dorthin hätten kommen können, hätten wir viel mehr Menschen helfen können, zu überleben."

170
00:22:21.000 --> 00:22:34.332
Also haben wir vielleicht ein bisschen Reue, aber ah die Menschen fühlten, ich denke, dass wir ihre Rettung waren. Ich habe mit einem heute morgen gesprochen, der mich geschnappt und gesagt hat:

171
00:22:34.333 --> 00:22:39.466
"Ohne euch Jungs würde ich heute hier nicht stehen oder sogar meine Tochter wäre gar nicht geboren worden."

172
00:22:39.467 --> 00:22:46.332
Also das, das tröstet einen, zu wissen, dass wir, wir, wir nicht zum erobern gekommen sind, wir sind gekommen, um diese Menschen zu befreien.

173
00:22:46.333 --> 00:23:01.332
Also, aber ah was wir hier gesehen haben, war ein Augenöffner denke ich. Ein in der Nähe liegendes Lager ah, Ohrdruf, ich bin mir nicht sicher, wie nahe es war.

174
00:23:01.333 --> 00:23:13.899
Aber einer meiner Kollegen ging dort in das Lager rein und ah General Eisenhower, das war am, ich denke, wahrscheinlich vielleicht nur ein paar Tage vor, vor ah Flossenbürg.

175
00:23:13.900 --> 00:23:15.832
Und das hat seine Augen geöffnet.

176
00:23:15.833 --> 00:23:17.499
Er sagte: "Es muss mehr davon geben."

177
00:23:17.500 --> 00:23:25.832
Aber ah, wenn du mit der Zivilbevölkerung hier in der Gegend sprichst, behaupten sie, sie wussten, nur wenige wussten etwas davon.

178
00:23:25.833 --> 00:23:31.999
Aber es ist merkwürdig, dass sie den Rauch der, der brennenden Körper nicht gerochen haben, wissen Sie.

179
00:23:32.000 --> 00:23:36.666
Denn ich weiß, die Menschen aus Dachau haben ihn gerochen, aber ah.

180
00:23:36.667 --> 00:23:42.666
IV: Nun ja, lassen Sie uns ein bisschen ah über Ihre ersten Eindrücke sprechen als Sie hier ankamen.

181
00:23:42.667 --> 00:23:53.332
Also am ersten Tag, als Sie hierher nach Flossenbürg kamen, ah haben Sie immer noch ein paar Bilder im Kopf, was Sie sahen, als Sie in das Lager kamen?

182
00:23:53.333 --> 00:23:59.832
VS: Nun ja, wie, wie ich schon gesagt habe, an diesem bestimmten Tag bin ich nicht bis ins Lager gekommen, ich bin später hierher gekommen.

183
00:23:59.833 --> 00:24:04.832
Aber ich war in, in einer anderen Kompanie, wir waren in den Wäldern gleich hier in der Nähe.

184
00:24:04.833 --> 00:24:15.666
Und wenn ich hierher zurückkomme ah, hat dieses Lager.. Mein erstes Mal war ich '93 hier, als ich nach Flossenbürg zurückgekommen bin.

185
00:24:15.667 --> 00:24:25.732
Und das Lager hatte sich extrem verändert, es ist nicht mehr so, wie es einmal war während der Zeit der Inhaftierung dieser Menschen.

186
00:24:25.733 --> 00:24:33.299
Wissen Sie, die Baracken waren an den Seiten des, des Berghangs, was heute, dort auf der einen Seite waren überall Wohnhäuser.

187
00:24:33.300 --> 00:24:37.766
Und natürlich das Tor und so Sachen dort, wurden entfernt.

188
00:24:37.767 --> 00:24:42.599
Und und also ah viele von uns, sind der Meinung, dass es nicht mehr so wie vorher aussieht.

189
00:24:42.600 --> 00:24:57.366
Und und jedes Mal, dass wir nun wiedergekommen sind, haben wir Veränderungen wahrgenommen ah, die, ah, meiner Meinung nach wirklich, dieses Lager hat nicht nur etwas für die lokale Bevölkerung getan,

190
00:24:57.367 --> 00:25:05.866
sondern es hat die Menschen auch darüber informiert, ich denke weltweit, was, was sich ereignet hat, wie es sich ereignet hat und wie so etwas nie wieder geschehen darf.

191
00:25:05.867 --> 00:25:08.466
Das ist, es ist so etwas wie eine Bildungseinrichtung.

192
00:25:08.467 --> 00:25:18.066
Du kommst hierher und gehst wieder mit dem Eindruck, dass du eine Umwandlung von einem Aschehaufen zu einem neuen Leben erlebt hast..

193
00:25:18.067 --> 00:25:20.566
Ah, das siehst du in Dachau nicht.

194
00:25:20.567 --> 00:25:23.099
Ah, wir waren dreimal in Dachau.

195
00:25:23.100 --> 00:25:28.699
Und ah du gehst dort irgendwie deprimiert weg.

196
00:25:28.700 --> 00:25:41.132
Aber hier gehst du weg und fühlst, diese Menschen hier haben, haben sich um 180 Grad gedreht, um diesen Ort ah zu einer Bildungsstätte zu machen, ihn umzugestalten.

197
00:25:41.133 --> 00:25:47.399
Und, und Hoffnung aufzubauen und Leben und das auch in den Menschen, die hierher kommen.

198
00:25:47.400 --> 00:25:58.432
Sogar die, die Menschen, die hier gefangen waren, die wir letzte Nacht und diesen Morgen getroffen haben, sehen, denke ich, die Wärme und das Mitgefühl.

199
00:25:58.433 --> 00:26:03.666
Und was dieses Lager für die Einheimischen und für Menschen so wie wir, die hierher kommen, getan hat.

200
00:26:03.667 --> 00:26:12.832
Wir sehen ein Engagement, dass sie wissen, was Befreiung ist, dass es mehr ist, als das Wort "Eroberung."

201
00:26:12.833 --> 00:26:18.266
Ich meine, sie sehen uns nicht als Feinde, sie sehen uns als eine wohlwollende Gruppe, die hierher kam.

202
00:26:18.267 --> 00:26:25.832
Und so ah jedes Mal sehe ich etwas Neues und dass dafür ein paar Dinge getan werden, alleine schon seit dem letztem Jahr.

203
00:26:25.833 --> 00:26:29.899
Wir waren im August, letztes Jahr im August hier.

204
00:26:29.900 --> 00:26:33.466
Also sehen wir ein paar Veränderungen, von denen uns Jörg gesagt hatte, dass sie kommen würden.

205
00:26:33.467 --> 00:26:47.332
Und ich denke, dass sie eine herausragende, eine herausragende Arbeit hier geleistet haben, diesen Ort zu etwas zu machen ah, besonders für die Überlebenden hier, die, die schlimmsten, schlimmsten Erinnerungen daran haben,

206
00:26:47.333 --> 00:26:57.566
ihre, ihre Freunde und ihre Verwandten zu sehen, ihre Brüder, ihre Väter, ah wie sie einfach verhungert sind oder kaltblütig erschossen wurden.

207
00:26:57.567 --> 00:27:08.432
Und und nun kommen sie zurück und sehen ah die Verwandlung, das Mitgefühl, ich, ich denke, das war für uns, ich fühle mich immer gut, wenn ich, wenn ich von hier weggehe.

208
00:27:08.433 --> 00:27:12.399
Das ist mein viertes Mal, glaube ich, dass ich nach Flossenbürg zurückgekommen bin.

209
00:27:12.400 --> 00:27:26.199
Und ah ich denke, dass jeder unserer, meiner Leute aus der 90., ich habe mit vielen von ihnen gesprochen und wir waren ah 2008 hier,

210
00:27:26.200 --> 00:27:30.399
mit einem, einem kleinen Jungen aus der Hitlerjugend, den wir befreit hatten, gleich hier, südlich von hier.

211
00:27:30.400 --> 00:27:34.566
Und ah er kam aus Österreich.

212
00:27:34.567 --> 00:27:42.966
Er, er zog nach Australien, um Abstand von dem hier zu gewinnen, diente in Vietnam und schrieb seine Memoiren.

213
00:27:42.967 --> 00:27:43.699
Ich half ihm dabei.

214
00:27:43.700 --> 00:27:47.232
Er kam 2008 hierher zurück, um uns zu treffen.

215
00:27:47.233 --> 00:27:50.099
Und wir sind zusammen nach Flossenbürg gekommen.

216
00:27:50.100 --> 00:27:58.332
Und er hat Erinnerungen daran, mit seiner Mutter schon einmal hier gewesen zu sein als Neunjähriger und das alles hier gesehen zu haben, denn Eisenhower sagte:

217
00:27:58.333 --> 00:28:10.966
"Ihr geht ins, ihr, ihr Truppen geht in jedes einzelne Dorf und nehmt die Menschen von dort, packt sie in LKWs und lasst sie hier entlanggehen und lasst sie sehen, was ihre Leute getan haben, denn man hat ihnen erzählt, dass Hitler ihre Rettung sei.

218
00:28:10.967 --> 00:28:15.599
Aber seht euch an, was er diesen Menschen angetan hat, Menschen, wie du und ich."

219
00:28:15.600 --> 00:28:27.732
Und und Brunos Mutter kam auf einem LKW mit einem kleinen Bruder, sieben Jahre alt, die Mutter führte sie dort entlang und sie sehen all die Grausamkeiten und sie haben,

220
00:28:27.733 --> 00:28:33.332
die Leichen gesehen, die sich zersetzen und den ganzen Horror, der hier passiert war.

221
00:28:33.333 --> 00:28:38.732
Und sie wendete sich an eine, eine, eine amerikanische Dame, wahrscheinlich von der UNRRA und sagte:

222
00:28:38.733 --> 00:28:44.299
"Warum zwingen Sie mich dazu, diese zwei kleinen Jungs durch diesen schrecklichen Ort zu führen?"

223
00:28:44.300 --> 00:28:53.832
Und sie sagte: "Hören Sie, sie werden sich immer daran erinnern und sie werden sich daran erinnern, was sie gesehen haben, denn eines Tages wird jemand kommen und sagen, dass das niemals passiert sei.

224
00:28:53.833 --> 00:28:55.099
Aber sie haben es gesehen.

225
00:28:55.100 --> 00:28:57.399
Und sie werden wissen, was sie mit ihren eigenen Augen gesehen haben."

226
00:28:57.400 --> 00:29:03.932
Aber sie mochte das nicht, denn die Seele der kleinen Jungs war so unschuldig, sie wollte nicht, dass sie so etwas sähen.

227
00:29:03.933 --> 00:29:15.732
Also ah und ich denke, dass, dass Eisenhower das getan hat, da er davon überzeugt war, dass wenn man genügend Menschen zeigen würde, was tatsächlich in diesen Lagern geschehen war,

228
00:29:15.733 --> 00:29:21.432
dann kann er dort etwas wiederaufbauen und, und heute gibt es viele Menschen...

229
00:29:21.433 --> 00:29:28.699
Sie haben gesehen, dass das ein grauenvoller Fehler war oder eine Grausamkeit oder Tragödie, wie auch immer man das nennen möchte.

230
00:29:28.700 --> 00:29:37.466
Aber es gibt Menschen, wie, wie Jörg Skriebeleit, der aus einer Familie kommt, die in der Partei war und, aber er sagt:

231
00:29:37.467 --> 00:29:39.832
"Das hat mir die Augen geöffnet."

232
00:29:39.833 --> 00:29:56.699
Also man kann sehen, dass Flossenbürg hier etwas Großartiges geleistet hat, durch, durch Umerziehung ah, man geht hier einfach mit dem Gefühl fort, dass man so etwas wie einen Wiederaufbau erlebt hat, anstatt einer Tragödie.

233
00:29:56.700 --> 00:29:59.399
IV: Nun ja, lassen Sie uns ein wenig zu den Fakten zurückkehren.

234
00:29:59.400 --> 00:30:08.832
Nachdem Sie nach Flossenbürg gekommen sind, hat es noch 20, fast 20 weitere Tage gedauert, bis der Krieg zu Ende war.

235
00:30:08.833 --> 00:30:11.666
Was hat sich in den letzten Kriegswochen ereignet?

236
00:30:11.667 --> 00:30:14.499
Sie sind, von hier sind Sie weitergezogen oder?

237
00:30:14.500 --> 00:30:24.166
VS: Von hier sind wir, wir sind an der Grenze entlang gezogen, hatten die ganze Zeit über sporadische Kämpfe mit der SS.

238
00:30:24.167 --> 00:30:26.266
Das südlichste, das wir erreicht hatten, war Cham.

239
00:30:26.267 --> 00:30:33.332
Wir sind nach Fürth rein, wir sind nach Waldmünchen rein, die direkt auf der Grenze liegen.

240
00:30:33.333 --> 00:30:41.899
Und ah dann sind wir von Waldmünchen sind wir runter nach Cham und dann sind wir wieder zurück nach oben und ah ziemlich in der Nähe von Fürth sind wir, wir rüber in die,

241
00:30:41.900 --> 00:30:47.832
ah ich denke am 1. Mai, am 1. Mai oder 2. Mai, in die, in die Tschechoslowakei.

242
00:30:47.833 --> 00:30:52.666
Und wieder hieß der Auftrag Pilsen einzunehmen.

243
00:30:52.667 --> 00:31:01.899
Eisenhower hatte General Patton wieder so Auflagen gegeben, denn es war vorwiegend die 3. Armee, die in dieser Region tätig war.

244
00:31:01.900 --> 00:31:07.232
Und ah sie wussten, dass es auf beiden Seiten Kollaborateure gab.

245
00:31:07.233 --> 00:31:08.766
Sie wussten, dass die Russen auf dem Weg waren.

246
00:31:08.767 --> 00:31:16.599
Und ah unser Ziel war es, bis nach, General Patton wollte bis nach Prag kommen,

247
00:31:16.600 --> 00:31:22.232
aber er kam bis nach Pilsen und war auf dem Weg raus aus Pilsen und wurde wieder von Eisenhower gestoppt.

248
00:31:22.233 --> 00:31:32.699
Aber ich denke auch hier, ich denke Patton, General Patton konnte das, was er sah, wahrscheinlich besser einordnen und ah er hielt Eisenhower auf dem Laufenden.

249
00:31:32.700 --> 00:31:37.366
Aber das Kommando hatte Eisenhower und er erinnerte sich an die Potsdamer Vereinbarung mit Stalin.

250
00:31:37.367 --> 00:31:54.099
Also er wusste, dass er das nicht verletzen konnte, aber sein Ziel war, er und er, er konnte einige, ich denke, heute würden wir sie deutsche VIP's nennen, gefangen nehmen, die die Russen exekutieren wollten.

251
00:31:54.100 --> 00:31:57.499
Und dort waren ungefähr 50 von denen und er brachte sie von Pilsen fort.

252
00:31:57.500 --> 00:32:12.166
Einer von ihnen wurde der angeheiratete Urgroßvater von der Enkelin von General Patton, Helen Patton, die eigentlich eingeladen worden war, an dieser Veranstaltung hier teilzunehmen.

253
00:32:12.167 --> 00:32:16.366
Aber wir werden sie in der nächsten Woche dort in, in der Tschechoslowakei treffen.

254
00:32:16.367 --> 00:32:23.332
Und wie gesagt, ich denke, General Patton war besser im Bilde und er hielt die Truppen in Bewegung.

255
00:32:23.333 --> 00:32:33.899
Ah wahrscheinlich kamen wir bis zu, ich kam nicht direkt nach Pilsen, aber wir zogen in Klatovy ein und ah Domažlice, Zdemyslice, das waren kleine Dörfer, waren das.

256
00:32:33.900 --> 00:32:46.466
Ah wir trafen, am siebten Tag des Mais trafen wir ah, über das Radio sickerte zu uns durch, dass, dass sich die Deutschen den Amerikanern offiziell ergeben hatten.

257
00:32:46.467 --> 00:32:50.266
Ah nicht den Russen, sondern den Amerikanern zu diesem Zeitpunkt.

258
00:32:50.267 --> 00:32:54.466
Also waren die Russen immer noch in Bewegung und sie hielten uns an, uns nicht von der Stelle zu bewegen.

259
00:32:54.467 --> 00:33:04.866
Also blieben wir stehen, ich, ich würde sagen, es war wahrscheinlich am 7. und dann am, am 8. Mai ah trafen wir, trafen wir im nächsten Dorf auf die Russen.

260
00:33:04.867 --> 00:33:13.232
Und und es gab ein großes ah, ah gemeinsames Fest, es floss viel Vodka und all solche Sachen.

261
00:33:13.233 --> 00:33:29.666
Ah ich persönlich war daran nicht beteiligt, also aber ich, aber ich traf einige Russen, ich traf einen Russen, einen Flieger, der, der, sie flogen zu zweit in einem Flugzeug, der eine flog, tief über den Wäldern.

262
00:33:29.667 --> 00:33:35.332
Der andere hatte einen Lautsprecher und rief hinunter in den Wald, denn die Deutschen versteckten sich immer noch.

263
00:33:35.333 --> 00:33:43.099
Deutsche Soldaten versteckten sich und sie, sie versuchten, sie aus den Verstecken zu holen, wo wir, die Russen oder die Amerikaner, sie gefangen nehmen konnten.

264
00:33:43.100 --> 00:33:55.399
Und sie landeten in der Nähe und dieser ah Russe, diese beiden kamen zu uns und wir haben uns die Hände geschüttelt und und ah ich, ich hatte eine deutsche P38

265
00:33:55.400 --> 00:33:59.299
und ich nahm meine P38, ließ ihn mein Souvenir betrachten.

266
00:33:59.300 --> 00:34:02.299
Und er schaute, er nahm sie und schaute sie sich an und dann gab er sie mir zurück.

267
00:34:02.300 --> 00:34:04.332
Und ich sah, dass er eine hatte, also wollte ich danach greifen.

268
00:34:04.333 --> 00:34:07.432
Er sagte {Geräusch von klatschenden Händen} er ließ mich, ließ mich seine nicht anfassen.

269
00:34:07.433 --> 00:34:11.432
So wusste ich sofort, dass der Typ uns Amerikanern gegenüber misstrauisch war.

270
00:34:11.433 --> 00:34:13.599
Aber ich, wir waren ihnen gegenüber aufgeschlossen.

271
00:34:13.600 --> 00:34:27.466
Aber ah, wir haben es direkt gesagt, aber ah... Und natürlich wissen Sie, dass die Tschechoslowakei bis ich 1989, glaube ich, unter russischer Herrschaft stand.

272
00:34:27.467 --> 00:34:30.532
Und bis heute kann man es an ihrer Infrastruktur sehen.

273
00:34:30.533 --> 00:34:36.566
Das ist, sie haben einfach, die Russen haben alles geklaut und alles, was sie konnten, mit nach Hause genommen.

274
00:34:36.567 --> 00:34:48.132
Sie nahmen ah Rohrleitungen aus den Wänden und (???) und solche Sachen, die ah da waren, {lacht} sie kamen als Eroberer, wir, wir kamen als Befreier.

275
00:34:48.133 --> 00:34:49.999
Und das war ein Unterschied in unserer Philosophie. 

276
00:34:50.000 --> 00:35:01.532
Aber ah der Krieg war dann zu Ende, ah, wir blieben in der Tschechoslowakei ah wahrscheinlich aller höchstens an die 10 Tage und dann zogen sie uns ab, durch Pilsen

277
00:35:01.533 --> 00:35:10.232
und es war das erste Mal, dass ich Straßen mit amerikanischen Flaggen auf jeder Seite gesäumt sah und für uns war es ein tolles Gefühl, all diese amerikanischen Flaggen zu sehen.

278
00:35:10.233 --> 00:35:14.499
Und und ah die Tschechen waren einfach ah überwältigend.

279
00:35:14.500 --> 00:35:22.666
Sie haben direkt Gebäck für uns gemacht und uns so behandelt, als, als wären wir ah VIP's.

280
00:35:22.667 --> 00:35:24.399
Wir wurden einfach wunderbar behandelt.

281
00:35:24.400 --> 00:35:31.266
Aber und und wir landeten in, in diesem, direkt an der Grenze in Waidhaus, das direkt an der Grenze liegt.

282
00:35:31.267 --> 00:35:41.532
Dort blieben wir ah ein paar Wochen, bis es ihnen gelang ah, bis das Regiment ihre Quartiere errichtet hatte und die Zentrale war in Weiden.

283
00:35:41.533 --> 00:35:53.499
Und wir, das Zweite Bataillon der 358, zu der ich gehörte, wir brachten das ganze Bataillon, ungefähr 2.000 Männer, in ah Vohenstrauß unter

284
00:35:53.500 --> 00:36:00.766
und ah wir mussten, wissen Sie, Gebäude räumen, um alle unterbringen zu können und mussten Betten und so weiter besorgen und so.

285
00:36:00.767 --> 00:36:08.699
Während wir in Waidhaus waren, zogen viele von uns an die Grenze und dort waren die Russen und man konnte, man konnte schon die Feindseligkeit zwischen den beiden sehen.

286
00:36:08.700 --> 00:36:12.232
Wir waren frei und glücklich und wissen Sie.

287
00:36:12.233 --> 00:36:13.399
Sie waren anders.

288
00:36:13.400 --> 00:36:27.499
Also ah, aber dann lautete unser Auftrag, die Grenze zu bewachen und auch die deutschen Kriegsgefangenen zur Arbeit zu bestellen, damit sie die Leichen einsammelten, die entlang der Route des Todesmarsches lagen.

289
00:36:27.500 --> 00:36:33.099
Und unser Auftrag lautete, dafür zu sorgen, dass sie die Arbeit draußen im Gelände angemessen verrichteten.

290
00:36:33.100 --> 00:36:41.366
Sie hatten ah so etwas wie einen vierrädrigen Karren mit, der von Pferden gezogen wurde.

291
00:36:41.367 --> 00:36:48.499
Und sie hatten auch ah Holzsärge, ah ziemlich einfach gehalten, ah, wo wurden diese hergestellt?

292
00:36:48.500 --> 00:36:51.032
Wahrscheinlich hier in der Nähe, von irgendeinem Handwerker hergestellt.

293
00:36:51.033 --> 00:37:04.532
Und sie mussten raus auf die Straßen gehen, diese, diese Leichen finden und sie aufsammeln, aufsammeln und wie gesagt, unser Auftrag lautete, sicherzustellen, dass sie wie Menschen behandelt werden, wissen Sie.

294
00:37:04.533 --> 00:37:08.466
Und in diese Kisten gelegt und dann dokumentiert werden.

295
00:37:08.467 --> 00:37:12.699
Und sie wurden in die kleine Stadt mit dem Namen Pleystein gebracht.

296
00:37:12.700 --> 00:37:23.332
Und und sie haben, mitten auf der Straße haben sie ein Grab geöffnet, wahrscheinlich war es 20 Fuß breit, wahrscheinlich ungefähr 75 Fuß lang

297
00:37:23.333 --> 00:37:27.466
und sie haben die Särge dort hineingelegt, einen neben dem anderen.

298
00:37:27.467 --> 00:37:35.199
Und sie blieben dort bis, ich weiß nicht mehr, ob das in den späten 80ern oder den frühen 90ern war.

299
00:37:35.200 --> 00:37:43.999
und sie, sie haben sie ausgegraben und die Knochen in kleine Kisten gelegt und sie wurden hier in Flossenbürg begraben.

300
00:37:44.000 --> 00:37:47.366
Und Jörg hat sie uns gezeigt, sie wurden alle erneut dokumentiert.

301
00:37:47.367 --> 00:37:52.666
Also wissen sie, wer wer war, sie, dort drinnen, das Gebäude beherbergt alle Dokumente.

302
00:37:52.667 --> 00:37:57.666
Also wie gesagt, ich sehe das Mitgefühl für die Leute, die das gewesen sind.

303
00:37:57.667 --> 00:38:07.132
Sie waren wahrscheinlich, die meisten von ihnen waren jüdisch oder vielleicht deutsche Sympathisanten oder wer auch immer sie waren, aber sie waren Menschen, so wie ich, so wie Sie.

304
00:38:07.133 --> 00:38:16.766
Und sie haben ihnen eine, eine, eine, eine sehr würdevolle Beerdigung dort in Pleystein bereitet, die US-Armee und die Militärregierung, die eingerichtet wurde.

305
00:38:16.767 --> 00:38:19.466
Das war Juli 45.

306
00:38:19.467 --> 00:38:25.499
Und ah viele Jahre später ah haben meine Frau und ich eine Nacht dort in Pleystein verbracht.

307
00:38:25.500 --> 00:38:35.166
Und ich habe nach jemanden gefragt, der mit mir auf Englisch sprechen konnte und ich habe diesen Friedhof oder diese Grabstätte erwähnt.

308
00:38:35.167 --> 00:38:39.432
Und ich sagte: "Gibt es hier irgend jemanden in der Umgebung, der sich daran erinnert?"

309
00:38:39.433 --> 00:38:41.732
Und ah sie sagte: "Ja."

310
00:38:41.733 --> 00:38:46.466
Sie rief einen Herrn herüber und sie sagte, sie sprach Englisch, er nicht.

311
00:38:46.467 --> 00:38:51.332
Und sie sagte: "Dieser Herr hat geholfen, das Grab zu graben."

312
00:38:51.333 --> 00:38:53.332
Und sie haben alle mit Schaufeln gegraben.

313
00:38:53.333 --> 00:38:54.732
Da gab es ganz schön viel zu graben.

314
00:38:54.733 --> 00:39:01.766
{lacht} Es war ansträngend zu graben. Aber dieser Mann hat tatsächlich geholfen, diese Grabstätte zu graben, um diese Menschen dort zu beerdigen.

315
00:39:01.767 --> 00:39:06.666
Also wie gesagt, es ist mir gelungen, jemanden zu treffen, der dabei gewesen war und der tatsächlich sagt:

316
00:39:06.667 --> 00:39:08.099
"Ich sage die Wahrheit.

317
00:39:08.100 --> 00:39:09.232
Sie wurden hier begraben."

318
00:39:09.233 --> 00:39:15.066
Aber als wir 2008 hier herkamen, hat Jörg uns einbezogen, er sagt:

319
00:39:15.067 --> 00:39:16.799
"Wir haben sie alle hier beerdigt."

320
00:39:16.800 --> 00:39:19.199
Und er nahm uns mit und zeigte uns, wo sie beerdigt wurden.

321
00:39:19.200 --> 00:39:31.066
Also wie gesagt, ah wir sind so davon begeistert, was Flossenbürg als eine Institution getan hat, hat und ah, ich bin mir sicher, dass das,

322
00:39:31.067 --> 00:39:44.332
es hört sich so an, als würde die deutsche Regierung all das unterstützen und sehen, dass, das was diese Menschen hier machen, ein, ein sehr bewundernswertes Engagement und Projekt ist.

323
00:39:44.333 --> 00:39:56.332
Also ah wann auch immer wir zurück nach Flossenbürg kommen, dann ist es ah, wir haben einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass diese Menschen heute leben und eine Familie haben.

324
00:39:56.333 --> 00:40:08.666
Also ah, ich, ich fühlte mich sehr geehrt, als sie mich gestern Abend namentlich nannten, da ich denke, dass ich gestern wahrscheinlich der einzige Zweite Weltkrieg Veteran der 90. hier war,

325
00:40:08.667 --> 00:40:25.266
aber ah ich habe nur einen kleinen Anteil daran gehabt, ah aber ich blieb ah 19 Monate hier in Deutschland und ah diente bei der Besatzung und die, die 90. als Division

326
00:40:25.267 --> 00:40:38.266
ah ging Ende '45 nach Hause nach Amerika und ich schloss mich einer kleinen Kavallerie-Aufklärungseinheit an, mit der wir Seite an Seite gearbeitet hatten,

327
00:40:38.267 --> 00:40:42.532
ich hatte ihre gepanzerten Wagen und Panzer während der Kampfzeit gefahren.

328
00:40:42.533 --> 00:41:04.799
Also diente ich in der Einheit, die mir auch sehr nahe stand und ah also hatten wir ziemlich viele gute Kameradschaften, ah ich ging weg von hier im Juli 1946 mit dem Gefühl, dass wir etwas geleistet haben.

329
00:41:04.800 --> 00:41:13.666
Und wie Sie selbstverständlich wissen, blieben die, die Amerikaner hier ah, der Marshall Plan hat das deutsche Volk wieder auf die Beine gestellt

330
00:41:13.667 --> 00:41:20.566
und heute denke ich, dass wir mit den Deutschen keine besseren Verbündeten und Freunde und Kameradschaft finden könnten.

331
00:41:20.567 --> 00:41:22.666
Gegen Ende waren wir wie ein Team.

332
00:41:22.667 --> 00:41:26.766
Und ich denke, dass wir den Druck auf die andere Seite halten konnten.

333
00:41:26.767 --> 00:41:39.599
Also ich, ich denke, wir waren ah zwischen uns gab es eine super Zusammenarbeit ah, ich, ich, ich fühle, dass ich vielleicht eine kleine Rolle in dem, was sich ereignet hat, gespielt habe.

334
00:41:39.600 --> 00:41:44.832
Und ah ich, ich gehöre beiden Organisationen an.

335
00:41:44.833 --> 00:41:48.332
Im, im August werden wir ein Treffen in Texas haben.

336
00:41:48.333 --> 00:41:52.766
Ein anderes wird es mit meiner anderen Truppe in Pennsylvania im Oktober geben.

337
00:41:52.767 --> 00:42:06.866
Also wir, wir sind in, in Kontakt und auch wenn, auch wenn wir aufgrund unseres Alters immer weniger werden, aber ah ich bereue nichts.

338
00:42:06.867 --> 00:42:14.266
Ah, ich, ich weiß, dass ich es Gott zu verdanken habe, dass ich, dass ich hier bin und heute lebendig bin und und überlebt habe.

339
00:42:14.267 --> 00:42:19.466
Und meine Eltern haben mit vielen anderen gemeinsam Tag ein, Tag aus für meinen Bruder und mich gebetet.

340
00:42:19.467 --> 00:42:33.899
Und ich, ich kam aus einer kleinen Kirchengemeinde in einer ländlichen Gegend, an der Kirchenwand standen die 50 Namen von uns und die Menschen dort in der Gemeinde beteten täglich für sie.

341
00:42:33.900 --> 00:42:37.632
Und jeder einzelne von ihnen ist zurückgekommen.

342
00:42:37.633 --> 00:42:45.132
Nicht alle sind unversehrt zurückgekommen, mein Bruder war zum Beispiel verwundet, viele waren verwundet, in Gefangenschaft gewesen, aber jeder einzelne ist lebendig zurückgekommen.

343
00:42:45.133 --> 00:42:48.166
Also sind wir dankbar dafür, was sich ereignet hat.

344
00:42:48.167 --> 00:42:53.232
Und und und ah in ein paar Monaten wird mein Bruder 91.

345
00:42:53.233 --> 00:42:59.999
Er hatte fürchterlich zu leiden in, in dem Konzentrations-, innerhalb der Kriegsgefangenengruppe in einem Stalager.

346
00:43:00.000 --> 00:43:09.632
Aber keine Feindschaft, wissen Sie, ah die, die uns gefangen genommen hatten, waren genau so dort, wie wir es waren, dazu gezwungen, ihre Befehle auszuführen.

347
00:43:09.633 --> 00:43:21.032
Wir denken nur, dass wir, wir mehr Mitgefühl hatten und ah ich denke, dass unser Hintergrund war, hier herzukommen und die Menschen von ah, einem Regime zu befreien...

348
00:43:21.033 --> 00:43:29.499
Heute würden wir wahrscheinlich entweder Deutsch oder Japanisch sprechen, hätten wir nicht getan, was wir im Zweiten Weltkrieg getan haben, also.

349
00:43:29.500 --> 00:43:32.766
Ah, ich spielte darin eine kleine Rolle.

350
00:43:32.767 --> 00:43:34.166
Aber dieses, ja..

351
00:43:34.167 --> 00:43:42.999
IV: Also eine letzte Frage, also nur ein paar Informationen... Als Sie zurück in die Vereinigten Staaten kamen ah, erzählen Sie uns ein bisschen darüber, dort dienten Sie in der Armee?

352
00:43:43.000 --> 00:43:43.332
VS: Nein.

353
00:43:43.333 --> 00:43:44.832
IV: In der Armee...

354
00:43:44.833 --> 00:43:57.532
VS: Ich ah, ich flog nach Hause, ich flog nicht nach Hause, {lacht} ich wollte nach Hause fliegen, ich fuhr mit dem Schiff nach Hause, wir legten von Bremerhaven ab und ich kam in New York an und dann haben sie uns mit einem Truppenzug nach Kalifornien gebracht, haben uns entlassen.

355
00:43:57.533 --> 00:44:04.832
Ich wurde zu Anfang der ersten Augustwoche entlassen und ah in der Zwischenzeit, ich, ich hatte eine Freundin, die ich zu Hause zurückgelassen hatte.

356
00:44:04.833 --> 00:44:08.332
Am Abend bevor ich nach Übersee aufgebrochen bin, habe ich ihr einen Verlobungsring gegeben.

357
00:44:08.333 --> 00:44:15.099
Und nach 19 Monaten und ein paar Tagen, war ich zu Hause und wir haben entschieden, zu, als ich ging, sagte ich:

358
00:44:15.100 --> 00:44:16.999
"Wenn ich nach Hause komme, heiraten wir."

359
00:44:17.000 --> 00:44:22.732
Also beide waren wir 20 Jahre alt, denn ich war, ich war 18 Jahre alt, als ich nach Übersee aufgebrochen bin.

360
00:44:22.733 --> 00:44:27.532
Also ah erzähle ich den Menschen: "Wir hatten keine Anstellung.

361
00:44:27.533 --> 00:44:28.832
Wir hatten kein zuhause.

362
00:44:28.833 --> 00:44:30.166
Wir hatten kein Auto.

363
00:44:30.167 --> 00:44:32.699
Aber wir hatten uns und das war alles, was wir brauchten."

364
00:44:32.700 --> 00:44:37.166
Denn wir vertrauten in, in Gott, dass er irgendwie alles regeln würde.

365
00:44:37.167 --> 00:44:40.232
Und wir wurden gesegnet, dort, genau hier ist einer meiner Söhne.

366
00:44:40.233 --> 00:44:41.666
Ich habe eine Tochter und einen weiteren Sohn.

367
00:44:41.667 --> 00:44:46.999
Wir wurden mit Kindern gesegnet, mit Enkelkindern und Urenkelkindern.

368
00:44:47.000 --> 00:44:54.999
Meine Frau, mit der ich 68 Jahre verheiratet war, war letztes Jahr hier und sie ist gerade, letzten Monat gestorben.

369
00:44:55.000 --> 00:44:58.999
Also ich vermisse sie fürchterlich, sie ist an einem besseren Ort.

370
00:44:59.000 --> 00:45:01.666
Ah und eines Tages werde ich sie sehen.

371
00:45:01.667 --> 00:45:07.999
Aber, aber wir wurden mit, mit einer Familie gesegnet.

372
00:45:08.000 --> 00:45:21.332
Ich habe vier Enkelkinder bekommen, sechs Urenkelkinder und einen Menge Familie und Freunde, wir wurden gesegnet in, in ah dem Lied "Gott Segne Amerika".

373
00:45:21.333 --> 00:45:24.199
Amerika hat mich gesegnet, Gott hat uns gesegnet.

374
00:45:24.200 --> 00:45:25.866
Und und ich bin dafür dankbar.

375
00:45:25.867 --> 00:45:28.199
Er hat es mir ermöglicht, hier herzukommen.

376
00:45:28.200 --> 00:45:35.666
Das ist mein sechster Besuch hier, zurück in Deutschland, in die Region, in der ich gekämpft habe, wir haben in Häusern übernachtet, in denen wir während des Krieges waren.

377
00:45:35.667 --> 00:45:39.799
Und ein paar Bücher wurden geschrieben, über meine Geschichte und so weiter.

378
00:45:39.800 --> 00:45:54.666
Aber, aber das alles war nur, weil Gott meine gesamte Familie gesegnet hat und es uns ermöglich hat, diese Reisen zu machen und ah es begeistert mich immer wieder, hierher zu kommen

379
00:45:54.667 --> 00:46:06.332
und, und Menschen zu treffen, die ah dankbar sind, dass sie am Leben sind, weil wir damals dazu beigetragen haben, vor 70 Jahren in diesem Monat, wissen Sie.

380
00:46:06.333 --> 00:46:15.099
Also war das eine, war das eine große, war das eine große Ehre für mich, und ich bin sehr demütig, hierher zu kommen und die Dankbarkeit dieser Menschen zu sehen.

381
00:46:15.100 --> 00:46:20.699
Ich bin der, ich bin nur ein wenig enttäuscht, dass ich meine Frau nicht erneut mit mir hierher bringen konnte.

382
00:46:20.700 --> 00:46:28.666
Aber ah Gott hat für jeden für uns seine Zeit.

383
00:46:28.667 --> 00:46:31.332
Also, aber ich bin gesegnet worden.

384
00:46:31.333 --> 00:46:36.666
IV: Dank, dass Sie Ihre Geschichte und Ihre Gefühle mit uns geteilt haben.

385
00:46:36.667 --> 00:46:37.666
VS: Mike, ich danke Ihnen!

386
00:46:37.667 --> 00:46:47.332
Ich schätze es sehr, dass man mich gebeten hat, ich ah, alle sind einfach so, ja, Sie waren gestern Abend dabei, nicht wahr?

387
00:46:47.333 --> 00:46:48.266
IV: Ja.

388
00:46:48.267 --> 00:46:58.099
VS: Und ich konnte es nicht glauben, ich habe Chris gesagt, wahrscheinlich sind hier 75, vielleicht 100 Menschen und laut Boris waren es über 400, kaum zu glauben.

389
00:46:58.100 --> 00:47:12.132
Und und {lacht} alle von ihnen haben eine Verbindung zu Flossenbürg, wissen Sie, Enkelkinder, Töchter, Söhne und,  und Überlebende, die hier waren.

390
00:47:12.133 --> 00:47:26.766
Es ist einfach ein, einfach unglaublich, diese Menschen immer noch so aktiv zu sehen und, und einige unter ihnen gestern, die entweder dort im Lager waren, die bettlägerig, nicht einmal mehr gehen konnten,

391
00:47:26.767 --> 00:47:36.999
Skelette und dann die, die auf dem Todesmarsch waren, die sich an den weißen Stern erinnern können, der entweder auf einem Jeep war oder oder auf, auf einem Panzer und und sie sagten:

392
00:47:37.000 --> 00:47:38.499
"Unsere Befreier sind da."

393
00:47:38.500 --> 00:47:40.066
Wissen Sie, was das mit einem macht?

394
00:47:40.067 --> 00:47:43.266
{lacht} Du fühlst Dich wie ein König, wissen Sie.

395
00:47:43.267 --> 00:47:49.999
Es ist einfach ein, ich staune darüber, es, also, es ist gut für uns gewesen.

396
00:47:50.000 --> 00:47:53.433
IV: Ich danke Ihnen, wir haben...

